Wenn die Freiheit sich zwischen den Zeilen findet, lautet die Faustregel: Ab durch die Mitte. Erzählt wird eine Ostberliner Geschichte von Aufbau, beflügelnden Verheißungen und schwärmerischen Versprechen nach dem Krieg bis ans Ende der 80er Jahre. Sie handelt von intimen Geständnissen, geheimdienstlichen Abteilungen, hochfliegenden und betonierten Träumen, von musikalischen und kybernetischen Visionen. Pircks senior assistierte zu realsozialistischen Zeiten noch dem Versprechen von Freiheit durch Exaktheit und Kalkül; Pircks junior lernt das"kybernetische Utopolis" nur noch als Computerprogramm der Stasi kennen, als Kultur der Kontrolle. Dieser Lemania Pircks, genannt Lem, den sein zukunftsfreudiger Vater noch "Kyberto Sputnik" taufen wollte, ist ein junger avantgardistischer Ostwilder von ganz eigener Lässigkeit, mehr interessiert an neuen Zeichen als an alten Signalen, zuhause zwischen Klubs und Kunst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2011
Ganz hingerissen ist Christoph Schröder von Marc Schweskas Debütroman "Zur letzten Instanz", der ihm einen tiefen Einblick in die ihm bisher unbekannte Szene der Elektriker, Bastler, Tüftler in der DDR gab. Dem Autor gelingt es in seinen Augen, die fiktiven Aufzeichnungen des jungen Elektrikers Lem, Berichte der Staatssicherheit und essayistische Passagen zu einem vielschichtigen, bunten, abwechslungsreichen Zeitbild zu verweben, das quasi nebenbei eine Menge über die Jugend, den Alltag und die Subkultur der DDR erzählt. Schröder schätzt den ironisch-schnoddrigen Tonfall Schweskas und sein Gespür für Tempo. Besonders hervor hebt er die Referenzen an die DDR-Wissenschaftsgeschichte der 1950er und 1960er Jahre, vor allem an die Ost-Kybernetiker dieser Zeit. Sein Fazit: eine "vielstimmige Milieustudie aus einer fremden Welt".
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