Marcel Benabou

Jacob, Menachem und Mimoun

Ein Familienepos
Cover: Jacob, Menachem und Mimoun
Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783827005083
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. Seit seinem Studienbeginn in Paris verfolgte Benabou das Projekt, das Familienepos seiner jüdisch-marokkanischen Vorfahren zu schreiben und von seiner Jugend in Meknes zu erzählen, einer Schnittstelle dreier Kulturen. Von einer ganz eigenen "Geschichte des Lesens", als hebräische Lettern noch mit Honig bestrichen wurden, von Thora-Schule und Synagoge, dem Gymnasium unterm französischen Protektorat, das die arabische Bildwelt des Jungen kolonisierte (was ihn 17-jährig nach Paris trieb), von den Großvätern Mimoun und Menachem, der Herzenswärme der Mutter, von Wesiren und Sultanen, Rabbinern und Kaufleuten, Berbern, Briganten und dem Schatten eines deutschen Kaisers. Aber der moderne Autor, der dreißig Jahre später erzählt, legt über den epischen Bericht eine andere Geschichte: die Geschichte dieses Projekts selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.04.2005

Robin Detje berichtet voller Freude von einem der schönsten Streiche der "Kindsköpfe unter den Metaschriftstellern", den Mitgliedern der Gruppe Oulipo, einer "Werkstatt für potenzielle Literatur". Marcel Benabou, Geschichtsprofessor und "Ständiger provisorischer Sekretär" der Gruppe, hat ihn verfasst. Es handelt sich um ein "Anti-Epos, ausgestattet mit allem, was wir an der französischen Kultur so hassen: Koketterie und intellektueller Eleganz." Nur das sie hier ins "Gewand der Schüchternheit" gekleidet ist. Es handelt sich auch um einen Roman der Wurzelsuche - Benabou ist Franzose aus der marokkanischen ex-kolonialen Peripherie -, doch ohne Nostalgie und unter Umgehung aller möglichen "Kitschfallen". Immer wieder unterbricht der Autor seine Erzählung, um die Schwierigkeiten seines Unterfangens mitzuteilen - es handelt sich also auch um "Metaschriftstellerei", doch mit "lieblichen" Angesicht. Vor allem aber handelt es sich, so Detje, um "ein Buch für erwachsene Kinder - die einzig wahren Leser. Ein intellektueller Kriminalroman ohne Mörder und Opfer, der von einem Verlust mit Trauer, aber ohne opernhafte Schmerzen erzählt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2004

"Gelungenes Scheitern" attestiert Rezensent Thomas Laux dieser genealogischen Suche von Marcel Benabou. Auf den ersten Blick scheint ihm das Buch eine Art Erinnerungsband zu sein, in dem Benabou, 1939 in Marokko geboren, "beschwingt und sehr sinnlich" von familiären Wurzeln und jüdischen Vorfahren erzählt. Dabei gelinge ihm ein "buntes, überaus intensives Bild des jüdisch-marokkanischen Lebens dieser Zeit." Doch der Autor verfolgt ein anderes Programm: Als Anhänger des "Ouvroir de Litterature Potentielle" betreibe er das Schreiben als "kalkuliertes Spiel", das mathematisch und kombinatorisch sein wolle und die Reflexion über das Schreiben selbst im Mittelpunkt stelle. Laux sieht denn auch das vorliegende Buch auf "Verzettlung" und "Scheitern" angelegt. Zugleich scheint ihm der Autor ein wenig mit dem Scheitern zu kokettieren, "um so ein weiteres Muster seiner Erzähl- und Reflexionsfreude abzuliefern." Am Ende liege es ja vor, das Buch. "Gescheitert?", fragt der Rezensent, um gleich darauf zu antworten: "Kann uns egal sein, denn selbst wenn: Selten war ein Scheitern so schön zu lesen wie bei Marcel Benabou."

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