Dieses Buch mehr als ein Krimi. Es ist auch ein Sittenbild der 1970er Jahre und zeigt ein Milieu, das heute in dieser Form kaum noch existiert. Die Kneipe "Der goldene Handschuh" ist nicht nur titelgebend, es ist auch der Ort im Buch, wo sich die verschiedenen Gesellschaftsschichten begegnen. Ully Arndt hat die Buchvorlage umgesetzt und dabei viele zeitgenössische Dinge aus der Alltagskultur einfließen lassen. Und er setzt Hamburg fantastisch düster und ungemütlich in Szene, so dass die Stadt selbst zu einer Akteurin der Geschichte wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2026
Rezensent Bernhard Heckler ist großer Fan von Heinz Strunks Roman "Der goldene Handschuh", für ihn ein Jahrhundertbuch, und auch der erste Teil von Ully Arndts Graphic-Novel-Adaption weiß ihn unbedingt zu überzeugen, deutlich mehr als Fatih Akins eher elendsvoyeuristische Verfilmung. Neun Jahre hat Arndt daran gearbeitet, neun Jahre, die sich für Heckler gelohnt haben: Den zentralen Erzählstrang um den Serienmörder Fritz Honka in seiner Stammkneipe zeichnet er beklemmend und leicht angesifft, ohne in Voyeurismus zu verfallen. Der Nebenstrang um den Reederssohn WH3 überzeugt den Kritiker durch den von Strunk übernommenen "Ausdruck eines Verkommenheitsegalitarismus", der die Klassenunterschiede im Elend nivelliert, auch den Opfern Honkas schafft Arndt ein würdiges Bild. Der Rezensent ist auch dadurch überzeugt, dass sich der Zeichner nicht streng an den Roman hält, sondern eigene Stränge und Zeitkolorit einbaut - viele Bilder werden ihm noch lange nachgehen, ist er sich abschließend sicher.
Rezensentin Imke Staats ist zunächst skeptisch: Kann Ully Arndt, bekannt eher für leichte Comic-Kost, Heinz Strunks "Der goldene Handschuh" in einen Comic verwandeln? Er kann, so scheint es. Zumindest beschreibt der Kritiker, ein klares Urteil vermeidend, den ersten Band der Unternehmung recht zugetan. Arndt verwendet Textauszüge des Originals, klebt sie aber nicht an der Vorlage, sondern erweitert sie um eigene Handlungsstränge, außerdem liefert er historischen Kontext, erfahren wir. Man lernt einiges über das Hamburg der 1970er und die tristen Kneipengänger auf St. Pauli, die Bluttaten des Frauenmörders Fiete werden teils nur via Zeitungsberichten angedeutet. Geschickte Übergänge zeichnen den Band aus, der mit expressionistischer Lebendigkeit und einem Auge für sprechende historische Details gezeichnet ist, auch die "Farbwelt verblasster Agfa-Color-Fotos" wird zwischendrin aufgerufen, informiert der Kritiker.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…