Heidelberg in den 1970er-Jahren: Susa, jung, unerfahren und vom Land, sucht Freiheit, Selbstbestimmung und ein neues Leben. Sie findet all dies in der aufkommenden Frauenbewegung, die Konventionen sprengt und alte Rollenbilder in Frage stellt. Doch die euphorische Suche nach radikalem Aufbruch hat fatale Folgen. Ein Toter zerstört den Zusammenhalt der Gruppe und überschattet ihre Ideale. Vierzig Jahre später holt die Vergangenheit Susa und ihre Weggefährtinnen ein. Verdrängte Schuld bricht auf, alte Fragen kehren zurück. Was zählt ein Menschenleben? Und: Was bleibt von der Utopie einer weiblicheren Welt?"… und wir träumten vom Matriarchat" ist kein klassischer Kriminalroman, sondern ein eindringlicher Blick in den inneren Kreis der Frauenbewegung der 1970er Jahre. Ein Buch für Zeitzeuginnen - und für eine jüngere Generation, die verstehen will, wie aktuell die Kämpfe von damals noch immer sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.04.2026
Rezensentin Anna Leszczynska ist dankbar für Margret Schepers Roman, weil er für sie mehr Licht in die Frauenbewegung der siebziger Jahre zu bringen vermag. Erzählt wird darin von der jungen Susa, die sich im Heidelberg dieser Zeit zur Frauenbewegung hingezogen fühlt, auch Teil einer feministischen Wohngruppe wird, aber auch mit den Dogmen hadert. Auf einer zweiten Zeitebene geht es 35 Jahre später um einen Kriminalfall, der Susa und die anderen Frauen wieder zusammenführt. Wie Schepers dabei ein "authentisches", stellenweise auch authentisch peinliches Milieubild der damaligen Szene liefert - über den "heiligen Ernst" etwa, mit dem Gruppen zu körperlichen Selbsterkundung betrieben wurden, muss die einstige Aktivistin Leszczynska selbst schmunzeln -, findet die Kritikerin bereichernd. Und auch der "weibliche Entwicklungsroman", der sich zwischen den beiden Zeitebenen auftut und das Thema Abtreibung aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven in ein und demselben Leben beleuchtet - einmal ist Susa selbst Betroffene, einmal potenzielle Oma -, gefällt ihr gut. Für Leszczynska gleichzeitig ein spannender Krimi und ein Zeugnis der Grundwerte des Feminismus, die sich bis in die heutigen Debatten um Collien Fernandes oder Gisèle Pelicot verfolgen lassen.
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