Oft wird behauptet, der Feminismus habe sich erübrigt. Das Gegenteil ist der Fall. Im Zuge der global zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich und des wachsenden Rassismus hat sich ein neuer, selbstbewusster Feminismus entwickelt. Die Lebenserfahrungen junger Frauen sind heute ebenso frisch, wie sie für die Feministinnen der 1970er-Jahre waren, doch sind viele Entdeckungen von damals Alltagswissen geworden, auch wenn die Missstände selbst keineswegs aus der Welt sind. Wie prägt dieser Umstand das Denken und Handeln junger Frauen heute? In einer Mischung aus autobiografischem Essay einer Feministin der ersten Stunde und Porträts junger Frauen, für die der Feminismus mehr ist als Quoten und die Forderung nach Frauen in den Aufsichtsräten, zeigt Erica Fischer, warum sich beherztes Engagement lohnt - und auch noch Spaß machen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2019
Julia Bähr kennt zwar schon vieles von dem, was die Feminismus-Ikone Erica Fischer in ihrem Buch an Erkenntnissen über Feminismus gestern und heute in Gesprächen mit Journalistinnen, Sexarbeiterinnen, Nichtbinären und Migranten zusammenträgt, lesenswert findet sie das Buch aber allemal. Wenn Fischer über Frauenaktionen, frühere Kleiderordnungen und das Problem der Abtreibungen berichtet ist laut Bähr unter anderem zu lernen, wie sich die Verhältnisse in Sachen Feminismus seit den siebziger Jahren verändert haben - zum Besseren. Das im Hinterkopf behaltend, folgt Bähr Fischer beim Weiten des Blicks auf Rassismus, Islamhass und Transfeindlichkeit und zu einem radikalen, augenöffnenden Aufsatz der Autorin von 1989.
Rezensentin Katrin Gottschalk empfiehlt das Buch der in der Frauenbewegung der siebziger Jahre sozialisierten Publizistin Erica Fischer. Wie Fischer im Gespräch mit Aktivistinnen alte und neue feministische Positionen vorstellt und miteinander abgleicht, findet Gottschalk lehrreich. Schon der dauernde Perspektivwechsel im Buch scheint ihr dazu angetan, Positionen zu überdenken, Themen wie Schwangerschaftsabbruch oder Sexismus neu zu betrachten. Sehr persönlich und durch die vielen Zitate solidarisch erscheint Gottschalk der Band und getragen von der verhaltenen Kraft ehrlicher Empörung.
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