Aus dem Katalanischen von Heike Nottebaum. Wie in ihrem ersten Roman, aber diesmal aus der Sicht einer jüngeren, selbstbewussten Generation, hat sich Maria Barbal erneut dem großen Thema auseinander brechender Traditionen, dem Verlust familiärer Nähe und Liebe zugewandt. Rita, sie könnte die Enkelin von Conxa, der Hauptfigur in "Wie ein Stein im Geröll", sein muss von jüngster Kindheit an mit der Verschlossenheit, dem abweisenden Schweigen und der Unfähigkeit ihrer Mutter leben, Freude oder gar Liebe zu empfinden. In immer neuen Anläufen, in Gesprächen, Fragen und Erinnerungen versucht die Tochter dem Geheimnis dieses beklemmenden Verhaltens auf die Spur zu kommen und entdeckt dabei das "innere Land" ihrer Mutter, das geprägt ist von Verlassenheit, Einsamkeit und Trauer um den Vater, der im Bürgerkrieg abgeholt wurde und nie wiederkam, von Verzweiflung über die Familie, die durch den Krieg ihre Heimat und ihre selbstverständliche Sicherheit verlor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2009
Maria Barbals Roman über die Franco-Zeit wurde in Spanien mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, berichtet Rezensentin Sabine Brandt. Bei ihr hat der Roman allerdings nicht die ganz große Begeisterung ausgelöst. Die Lektüre erfordert in ihren Augen immer wieder große Disziplin, schon um in der Überfülle von Personen, ihren Beziehungen zueinander und ihren Schicksalen nicht die Übersicht zu verlieren. Sie empfiehlt zudem, das Nachwort des Literaturwissenschaftlers Pere Joan Tous über die hierzulande nicht so bekannten historischen Zusammenhänge und Hintergründe des Romans zuerst zu lesen. Dass das Buch mit einem Glossar versehen ist, das spanische oder katalanische Ausdrücke erklärt, kann Brandt nur begrüßen, hätte sich aber auch eine Liste der Personen und ihrer Verbindungen gewünscht. Ihr Hauptkritikpunkt scheint, dass das Werk, das politische Geschichte, Familiensaga und Mutter-Tochter-Drama vereint, schlicht überfrachtet ist. Glücklicher wäre die Rezensentin geworden, wenn die Autorin die Überfülle des Stoffes auf "wenigstens zwei Romane" aufgeteilt hätte: einen über die "Leiden unter der politischen Diktatur, den anderen über die banalen Schwierigkeiten in einer alltäglichen Familie".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2009
Dem einschläfernden Effekt langer monologischer Rede (hier: einer Tochter an ihre Mutter) begegnet die Autorin mit einem Kniff. Franziska Augstein ist heilfroh darüber, kann sie Maria Barbals Roman so doch ohne Aufputschmittel genießen. Die von Barbal so geschickt als Rede der noch kindlichen Tochter begonnene Spurensuche ins "Innere Land" der unter dem Franco-Regime und dem spanischen Machismo leidenden Mutter liest sie als bis in die Sprache hinein erfahrbare plausible Entwicklungsgeschichte. Dem befreienden Erkenntnisprozess der Tochter hat die Autorin die Emanzipation Spaniens von seinem Diktator parallelisiert. Für Augstein Grund genug, auf den Fortgang der Geschichte neugierig zu sein. Gegen Ende des Buches wird die Rezensentin dafür aber auch überraschend reich belohnt: Mit einem ein historischen Mini-Krimi und einer "zarten" Liebesgeschichte.
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