Aus dem Katalanischen von Monika Lübcke. Voltaire schickte 1759 seinen gutgläubigen Candide voller Optimismus auf Reisen in die "beste aller möglichen Welten". Die beste aller Welten des Katalanen Quim Monzo ist Voltaire und seinem Candide gewidmet: ein ostentativ böses und doppelbödiges Buch. Eine Familie ignoriert den plötzlichen Tod eines Sohnes beim Mittagessen; ein Ehemann verlässt ohne ersichtlichen Grund sein Familienidyll; ein katalanischer Schriftsteller, der unbedingt den Literaturnobelpreis bekommen will, schrumpft am Ende um 34 Zentimeter.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2002
Quim Monzós Band "Die beste aller Welten", der durch Überspitzung ins Groteske, Satirische, Surreale das Grauen kenntlich zu machen sucht, hat Martin Krumbholz nicht wirklich überzeugt. Zwar lege Monzó in seinen Erzählungen Einfallsreichtum und Virtuosität an den Tag. Dennoch lassen sie den Leser nach Ansicht von Krumbholz weitgehend kalt, was seiner Vermutung nach daran liegt, dass Monzó seine vom Schicksal geprüften Figuren nicht mit psychologisch-plausiblen Einzelheiten ausstattet, sondern sie schablonenhaft läßt. Die Erzählung etwa über einen Jungen, der beim Mittagessen das Gesicht tot in die Suppe fallen lässt, und von den Eltern trotzdem weiterhin zur Schule geschickt wird, ruft für Krumbholz kein Mitgefühl hervor, weil der Junge als totes Vehikel der Provokationslust seines Erfinders durch den Text geleitet werde: "eine Kopfgeburt", findet der Rezensent, "nicht einmal einen schönen Schauder wert, sondern bestenfalls ein Achselzucken." Ähnlich ergehe es dem Leser mit den meisten Erzählungen dieses Bandes. In der als "Kurzroman" titulierten Geschichte "Vor dem König von Schweden" erblickt Krumbholz eine "aus dem Ruder gelaufene Kurzgeschichte", die "umständlich" und "bieder" erzählt ist. Für Krumbholz liegt darin auch der wunde Punkt von Monzós Geschichten: Sprachlich bleibe seine Phantasie weit hinter der Kühnheit und Brisanz seiner Sujets zurück.
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