Landschaften sind von Menschen geformt und doch Gegebenheiten, in die Menschen hineingeboren werden und lernen - mehr oder weniger mühsam - darin zu navigieren. Es gibt Kontinuitätslinien und Veränderungen. Diesen Linien spürt das Textalbum "Wäsche im Wind und Polizisten" nach. Sozusagen in einem generationenübergreifenden Dialog trifft Autor Jan Kuhlbrodt auf seine beiden Töchter Maria und Sofia. Unterschiede werden austariert, aber auch Traditionen und Vergangenes, das verbindet. "Wäsche im Wind und Polizisten" - das sind lyrische Korrespondenzen, auch zwischen Texten und Zeichnungen, die sich gegenseitig illuminieren. Der Band ist in drei Zyklen unterteilt: "Andere Augen" ist eine Begegnung mit Kleists Drama "Penthesilea". "Den Müttern und Vätern ein Land" beschreibt die Rückkehr eines verlorenen Sohnes in ein ostdeutsches Plattenbaugebiet. Im Zyklus "Die Rückkehr des politischen Lieds" taucht Vergangenes wieder auf und beharrt auf seiner Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2025
Zwischen Schotter und Auenwald, zwischen Krieg und Zärtlichkeit: Rezensent Björn Hayer liest in Jan Kuhlbrodts gemeinsam mit seinen Töchtern verfasstem Lyrikband eine "philosophische Poesie", die an den Grenzen der Sprache arbeitet. "Wir sind mit Rucksack geboren", heißt es programmatisch: ein Leben im Unterwegssein, im Zweifel an Wirklichkeit und Wort. Die Texte, oft fragmentarisch, brechen Grammatik und Sinn, erkunden die "Grenze unserer Welt" als Grenze der Sprache. Hayer sieht darin eine Ästhetik für "die Zeiten von Fake News". Unausweichlich bleibt der Krieg, "nackt, fratzenhaft" im Text stehend. Doch am Ende klingt Hoffnung auf - in einem stillen Dialog zweier Menschen, die "Nähe, wenn nicht gar Liebe" suchen, schließt der Kritiker.
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