Mariam Kühsel-Husseini

Emil

Roman
Cover: Emil
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2022
ISBN 9783608983517
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

1933, es ist die Stunde Hitlers. Emil Cioran kommt nach Berlin, um gegen die Philosophie zu rebellieren. Er träumt vom Tod und er will der Erste sein, der keine Lügen mehr erweckt. Rudolf Diels, der Chef der Geheimpolizei, will Deutschland dienen, doch einzig und allein dem Rechtsstaat und seinem Strafanspruch. Frontal zum ganzen Puls dieses brennenden Augenblicks, entfalten sich ihre Persönlichkeiten: Cioran ersehnt Unsterblichkeit, Diels erhält auf dem Obersalzberg einen Mordbefehl von Hitler. Im Wettlauf mit der Zeit, von ihr paralysiert und gejagt - getrieben von ihren großen Wünschen, umgeben von menschlichen Dämonen - beginnen Emil Cioran und Rudolf Diels ihre Aufgabe zu ihrem Schicksal zu machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2023

Rezensentin Emilia Kröger staunt, wie der Roman von Mariam Kühsel-Hussaini es ihr ermöglicht, über die psychologisierende Innensicht der Figuren eine Epoche nachzuempfinden. Außer den beiden Protagonisten, dem Philosophen Emil Ciorans und dem Gestapochef Rudolf Dries, nutzt die Autorin laut Kröger noch eine Reihe weiterer Personen der Handlungszeit 1933 bis 1935, etwa Carl Orff oder Heinrich Himmler, um die Gewalthaltigkeit der Ära zu veranschaulichen. Dass sie die Figuren mitunter nur "anreißt" stellt für Kröger kein Problem dar. Wie die Erzählperspektiven im Roman wechseln und sich überlagern, findet Kröger reizvoll. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches, ein düsteres Zeitdokument, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.11.2022

Rezensent Burkhard Müller hält das neue Buch von Mariam Kühsel-Hussaini für unverwechselbar. Wie die Autorin hier den Faschisten-Freund Emil Cioran und den Gestapo-Chef Rudolf Diel zu Beginn der Nazi-Herrschaft in Berlin in zwei meistenteils getrennt voneinander laufenden Handlungssträngen auftreten lässt, findet Müller bemerkenswert. So originell wie gewagt findet er, wie die Autorin sich Ciorans Sprache aneignet (bis zur Geschmacklosigkeit), sondern auch, dass sie tief in die Folterkeller der Nazis hinabsteigt, um uns an das Grauen zu erinnern.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.09.2022

Rezensent Jan Drees hält Mariam Kühsel-Hussainis Roman über Emil Cioran im nationalsozialistischen Berlin und die Mechanismen der Terrorherrschaft für eine außergewöhnliche Lektüre. Sprachlich plastisch und genau, beschreibt der Text, der nah an der historischen Figur Ciorans bleibt, ohne literarische Biografie zu sein, laut Rezensent den Beginn des Nazi-Terrors und die ihm innewohnende Psychopathologie. Episodisch führt der Text laut Drees ein in die geistesgeschichtlichen Überzeugungen der 1930er Jahre in Deutschland und beleuchtet den "Grenzbereich" zwischen Zivilisation und Barbarei.

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