Mit einem Nachwort von Karlheinz Rossbacher. In der Tradition des bürgerlichen Realismus erzählt Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Roman von 1886 vom Schicksal eines Geschwisterpaares, dessen Vater wegen Mordes gehängt und deren Mutter ins Gefängnis gebracht wurde. Während sich eine reiche Gutsbesitzerin des Mädchens Milada annimmt, die so in den Genuß einer ausgezeichneten Erziehung in einer Klosterschule kommt, wird der Bruder Pavel widerwillig von der Gemeinde eines mährischen Dorfes versorgt, wo man ihn seine Herkunft nur allzusehr spüren läßt.
In der Zeit-Schülerbibliothek empfiehlt Andreas Nentwich Marie von Ebner-Eschenbachs einzigen Roman in höchsten Tönen. Erzählt werde in diesem "Reigen des Vorurteils und der Hartherzigkeit" die Geschichte des "plumpen und kurzhalsigen" Pavel Holub, Kind eines Trinkers und Raubmörders und von seiner Mutter abgeschoben, dem es nach einem Jahrzehnt der Demütigungen und Irrwege gelingt, durch Fleiß und Geradlinigkeit den Respekt des Dorfes zu gewinnen. Besonders lesenswert mache die Geschichte der ungeheuerliche Perspektivreichtum, die Milieugenauigkeit und menschliche Wärme, mit der Ebner-Eschenbach erzählt. Und so erweist sich für Nentwich die Hochadelige Ebner-Eschenbach -literarisch allerdings eine "bürgerliche Realistin" - als bedeutend ambivalenter, offener und moderner als die Naturalisten, deren sozialer Determinismus den irrationalen Antrieben der Menschen so wenig Raum lasse.
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