Aus dem Spanischen von Silke Kleemann. Wir sind die mit der Bombe in uns. "Hiroshima" ist das Zeugnis einer Frau, die von der Atombombe körperlich wie seelisch gebrandmarkt wurde. Doch statt sich entmündigen zu lassen, führt H. einen lebenslangen Kampf für das Recht auf Weiblichkeit und das Recht auf Leben. Als H. in New York auf den Kriegsveteran Jim trifft, haben beide die Hölle auf Erden bereits durchschritten. Während H. von der Atombombe in Hiroshima entstellt wurde, ist Jim gezeichnet von den Traumata, die ihm in der japanischen Kriegsgefangenschaft zugefügt wurden. Zwei versehrte Liebende, die sich am anderen Ende der Welt zu einer Einheit verbinden. Doch trotz ihrer Erfahrungen kann sie nichts auf das vorbereiten, was ihnen noch bevorsteht. Um Jims Adoptivtochter zu finden, begeben sich H. und Jim auf eine Suche rund um den Globus, die ihnen die Abgründe menschlicher Gewalt mit jeder Station deutlicher vor Augen führt. Bis dann, eines Tages, aus der Finsternis ein Lebenszeichen der verlorenen Tochter zu ihnen dringt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2018
Hart geht Rezensent Niclas Bender mit diesem Roman der spanischen Autorin Marina Perezagua ins Gericht, die bereits vielfach und allen voran von Salman Rushdie gelobt wurde. Für den Kritiker ist die Geschichte um den intersexuellen Japaner H, der zwar den Abwurf der Atombombe in Hiroshima überlebt, aber das männliche Geschlecht verliert, allenfalls "trashig lackierter Edelkitsch". Bender begleitet jene H hier an der Seite von allerhand abstrusen Gestalten durch ein halbes Jahrhundert, das neben Atomkrieg, Misshandlung von Kriegsgefangenen, Genitalverstümmelung, Kannibalismus und der Vergewaltigung von Frauen, Kindern und Affen nichts auslässt, kämpft sich zudem durch "geschmacklosen Bilderwust", plakatives Allegorien- und Metapherngeballer und "pseudointellektuelles" Geschwafel und stöhnt schließlich über diese auf jegliche Diskretion verzichtende Story: Dieser Roman bewegt sich am "Rande des Obszönen".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2018
Ralph Hammerthaler schätzt den Debütroman von Marina Perezagua noch in seinem überspannten Scheitern. Das ist besser als kraftloses Gelingen, meint er. Dass Perezagua einfach zu viel will, indem sie Hiroshima, Machtmissbrauch, Ausgrenzung, Rassismus und die Verletzlichkeit des einzelnen Körpers in einer einzigen Geschichte thematisiert, ist für Hammerthaler das eigentliche Problem des Buches. Momente großer Intensität, Bilder von schwer erträglicher Grausamkeit und der gleichmütige Ton scheinen Hammerthaler bewundernswert. Die Kunst der Konzentration beherrscht die Autorin hingegen leider nicht, erklärt er.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…