Die überzeugendste Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts heißt Europa. Während Amerika seine Interessen mit Hilfe von militärischer Macht wahren will, setzt die Europäische Union auf ihre transformative Kraft. Allein durch die Aussicht auf einen EU-Beitritt haben sich Staaten des einstigen Ostblocks in lebendige Demokratien verwandelt, werden undemokratische und rückständige Länder dazu gebracht, grundlegende Reformen durchzuführen. Bei allem Krisengerede hat Europa in Wirklichkeit tiefgreifenden Einfluss auf andere Länder: Die Werte Europas sickern überall ein, von Albanien bis Zaire. Auch ökonomisch gesehen hat Europa einiges zu bieten: Der europäische Binnenmarkt ist bereits heute ein Gigant. Außerdem steht Europa für Frieden: 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist es völlig unvorstellbar geworden, dass die Länder der EU noch jemals gegeneinander Krieg führen. Für Mark Leonard ist Europa ein modernes Netzwerk, dessen Stärke in einem neuen Regionalismus liegt und das für ein ganz eigenes Verständnis von Macht steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007
Positiv hat Rezensent Jürgen Elvert diesen schwungvoll geschriebenen Essay über den Erfolg Europas von Mark Leonard aufgenommen. Die Ausführungen über die Überlegenheit Europas gegenüber den USA im Blick auf die globalen Herausforderungen der Zukunft hat er weitgehend zustimmend gelesen. Er bescheinigt dem Autor etwa, mit einer Analyse der makroökonomischen Eckdaten diese Überlegenheit deutlich zu machen. Leonard erkläre den Erfolg des europäischen Integrationsprojekts durch die Bündelung der nationalen Interessen der beteiligen Staaten. Im Blick die Geschichte der europäischen Einigung hebt Elvert gegenüber dem Autor allerdings hervor, dass die Strukturen der EU nicht von Anfang an so geplant gewesen waren, sondern sich in langen, mitunter krisenhaften Verhandlungsprozessen herausgebildet haben. Dass der zwischen Europa gegenwärtige Stand des europäischen Integrationsprojekts "gerade richtig" sei, wie Leonard meint, hält Elvert eher für fraglich. Dagegen betont er die Notwendigkeit von weiteren Anstrengungen im Blick auf eine klare "finalite politique" der europäischen Integrationsprozesses.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2007
Eher kritisch betrachtet Rezensent Christian Kind das jetzt auch auf deutsch erschienene Buch des Londoner Autors Mark Leonard "Warum Europa die Zukunft gehört". Zwar lobt er zunächst die auch für den Nichtfachmann gut verständliche Schreibweise des Autors. Dass dieser aber in der erweiterten Europäischen Union künftig die "moralisch überlegene Kontrastfigur" zu den Vereinigten Staaten sieht, kann der Rezensent nicht ganz nachvollziehen. Auch wenn die amerikanische Außenpolitik einige Rückschläge hat hinnehmen müssen, ist das für ihn noch lang kein Grund, Europa allein aufgrund seiner wirtschaftlichen Stabilität als "Weltmacht von Morgen" auszurufen, die "auf dem ganzen Planeten überlegenen Einfluss gewinnen werde". Vor allem wenn man bedenkt, dass Europa - früher als es sich der Autor vermutlich wünscht - "auf Rückhalt bei den mehr konfliktbereiten Vereinigten Staaten angewiesen sein" könnte.
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