Marta Kijowska

Polen, das heißt nirgendwo

Ein Streifzug durch Polens literarische Landschaften
Cover: Polen, das heißt nirgendwo
C.H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406563751
Gebunden, 220 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Für kaum eine andere europäische Nation war das 20. Jahrhundert eine solche Herausforderung wie für die Polen: Der Kampf um die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität, der Erste Weltkrieg, die unruhigen Zwischenkriegsjahre, in denen der Aufbau des neuen Staates mit dem Heraufziehen des Faschismus in Europa einherging, der Zweite Weltkrieg, der das Land völlig verwüstete, die 45-jährige Ära des Kommunismus, die seinen wirtschaftlichen Ruin mit sich brachte, und schließlich die Zeit nach der Wende, in der es galt, moderne Strukturen des öffentlichen Lebens zu schaffen - all das setzte sich zu einem sehr bewegten Kapitel der polnischen Geschichte zusammen und fand freilich auch seinen Niederschlag in der Literatur: Nicht nur in der Zahl literarischer Werke und in der Themenwahl, sondern auch darin, dass die im Laufe des Jahrhunderts wechselnden Zentren des literarischen Lebens einen unterschiedlichen Charakter hatten. Mal war er Folge der politischen Situation, mal Ausgeburt einer Mode, mal resultierte er aus der geographischen Eigenart des jeweiligen Hinterlandes. Und immer und überall - ob in Warschau, Krakau, Zakopane, Lemberg, Wilna, Danzig oder Paris, dem Exilmekka der Polen - wurde er von einer oder mehreren Literatenpersönlichkeiten geprägt. Das neue Buch von Marta Kijowska ist eine Reise durch diese wechselnden Zentren, bei der sie die wichtigsten dieser "Literaturlandschaften" charakterisiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2008

Als "eine faszinierende literarische Landkarte" durch ein hierzulande viel zu unbekanntes Literaturterrain empfiehlt Rezensent Ulrich M. Schmid dieses Buch der polnischen Publizistin Marta Kijowska, das seinen Informationen zufolge verschiedene Orte und Autoren der polnischen Literatur von 1900 bis in die Gegenwart vorstellt. Darunter auch Orte wie Wilna oder Lemberg, die auf Grund der Grenzverschiebungen nach den Weltkriegen inzwischen kein polnisches Staatsgebiet sind. Der Rezensent ist Autoren wie dem 1943 von der SS im galizischen Drohobycz erschossenen Bruno Schulz oder Czeslaw Milosz ebenso begegnet, wie dem Chronisten des Warschauer Aufstandes Miron Bialoszewski. Aber auch modernen Autoren wie Andrzej Stasiuk oder Olga Tokarczuk.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2007

Marta Kijowskas Streifzug durch die polnische Literatur hat Rezensent Thomas Medicus ziemlich enttäuscht. Den Anspruch, Orientierung zu geben über die Literatur des östlichen Nachbarlandes und Lust auf die Lektüre zu machen, kann die Autorin zu seinem Bedauern nicht einlösen. Medicus scheint die ausschließlich die Literatur des 20. Jahrhunderts abhandelnde Darstellung in keiner Weise überraschend oder anregend, eher sogar bieder. Er hält Kijowska vor, die zahlreichen möglichen Anknüpfungspunkte für das deutsche Lesepublikum, die Medicus sich vorstellen kann, nicht zu nutzen. Insgesamt kritisiert er das Buch der seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Autorin als "ideenlose Plichtübung".

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