Sehnsucht, Besessenheit, Dekadenz - Berlin, Wien, Salzburg - Martin Beyer lässt die Boheme des 20. Jahrhunderts lebendig werden. Er erzählt von einer großen Tragödie der Literaturgeschichte und lässt ein Leben zwischen Verzweiflung und Lust literarisch auferstehen. Den jungen Dichter Georg Trakl und dessen Schwester, die Pianistin Grete, verbindet eine Zuneigung, die nicht bloß platonisch ist. Doch Grete schwärmt zugleich für Georgs schüchternen Dichterfreund Erhard Buschbeck. Während der Salzburger Kaufmannsfamilie der Niedergang droht, begeben sich die drei auf die Suche nach künstlerischer Erfüllung. Und obwohl sich ihre Wege trennen, bleiben sie einander innig verbunden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2009
Kristina Maidt-Zinke ist zwar der Meinung, dass Literatur alles darf - nur können muss sie eben auch etwas. Das ist hier offenbar nicht der Fall. Die Rezensentin beklagt sich über ein Romandebüt, das den Salzburger Dichter Georg Trakl hagiografisch vergewaltigt. Was die Überlieferung zu Trakls Biografie nicht hergibt, wird von Martin Beyer spekulativ, blauäugig, klischeebeladen und laut Maidt-Zinke die Grenze der Peinlichkeit überschreitend, erdacht. Die Mühsal des Dichters, die Salzburger Boheme, der vermeintliche Inzest mit der Schwester - für die Rezensentin gerät es hier zum banalen Schauspiel mit Pappkameraden. Ein bedenkliches Spiel mit historischem Personal, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2009
Ein Trakl-Buch, das dem großen Dichter eher schadet als ihm zu Ehren zu verhelfen. So sieht Beater Tröger diese Romanversion einer Künstler-Biografie von Martin Beyer. Schuld am Misslingen des um das Geschwisterpaar Georg und Grete Trakl kreisenden Buches ist laut Tröger vor allem das zu enge Verhältnis des Autors zum Quellenmaterial. Heraus kommt laut Tröger eine zwar auf gewissenhafter Recherche und beachtlicher Werkkenntnis beruhende Arbeit, die das Widersprüchliche Trakls jedoch mittels Klischees einebnet, wann immer die Quellen nichts oder wenig hergeben und der Autor sich seiner Imagination bedienen muss. Ein großer Dienst am Mythos Trakl, doch keine kritische Befragung, findet Tröger.
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