Seit der Romantik wird das europäische Mittelalter verklärt. Auch das Bild vom Krieg, das uns bis heute in Filmen und Erzählungen begegnet, scheint weichgezeichnet und alles andere als differenziert. Der Krieg ist zwar schrecklich, wird aber letztlich zur Kulisse für Helden vom Schlag eines Prinz Eisenherz. Kriegsgeschichte ist Heldengeschichte; die Opfer treten in den Hintergrund. Martin Clauss entwirft dagegen ein vielschichtiges Bild vom Krieg im Mittelalter, das sich einer Wirklichkeit annähert, in der der Krieg in erster Linie Tote und keine Helden erzeugt. Er beschreibt, wie der Krieg vor sich ging und mit welchen Waffen er ausgefochten wurde. Dabei geht es immer um die Menschen, die der Krieg betraf und um ihre ganz unterschiedlichen Perspektiven auf die Ereignisse: um Sieger und Verlierer, um Kombattanten und Nichtkombattanten, die Opfer des Krieges waren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2010
So kompakt wie erhellend findet Thomas Speckmann dieses Buch über Kriege im Mittelalter. Zwar muss er seine romantische Vorstellung von heroischen Rittern nach der Lektüre korrigieren, doch im Tausch gegen die Erkenntnis, dass sich damaliges Kampfgeschehen gar nicht so sehr von den sogenannten asymmetrischen Kriegen von heute unterscheidet, macht er das umstandslos. Laut Speckmann arbeitet Martin Clauss Parallelen heraus bei der Definition (und ihrer Problematik) von Krieg, Schlacht oder Feldzug betreffend die relative Seltenheit offener Feldschlachten sowie den Krieg gegen Nichtkombattanten und die dahinter stehende Logik. Von wegen: früher gab es noch Helden.
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