Europa als Kommunikationsgemeinschaft entstand auch durch die Ehen von Königstöchtern mit Herrschern anderer Reiche - ihre Rolle als "Heiratsmigrantinnen" gestalteten die Frauen mitunter sehr selbstbewusst."Politische" oder "diplomatische" Ehen sind keine mittelalterliche Erfindung, sondern begleiten seit jeher die Weltgeschichte. Fast immer war eine solche Eheschließung verbunden mit dem Umzug der Frauen ins Land des Mannes - nur selten war es umgekehrt. "Europa" als Kommunikationsgemeinschaft meist christlicher Staaten ist auch durch das Netzwerk jener Heiraten entstanden. Dieser Befund ist längst bekannt, die spinnennetzförmigen Beziehungen sind immer wieder nachgezeichnet worden. Erstmalig werden hier jedoch die Anfänge der europäischen Bündnisse zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert mit Fokus auf in dieser Zeit geschlossene politische Ehen erzählt. Dabei zeigt Michael Borgolte insbesondere auf, wie die betreffenden Frauen im Rahmen der ihnen zugedachten Rolle agierten. Durch biografische Skizzen wird deutlich, dass die meisten die ihnen gestellte Aufgabe annahmen, andere sich auflehnten, sehr viele aber ihren Status als "Heiratsmigrantin" auch als eine Chance zur Gestaltung des eigenen Lebens nutzten. Diese Option bot sich ihren unverheirateten, in der Heimat zurückgebliebenen oder im Kloster lebenden Schwestern nicht. Nicht zuletzt geht es hier also - mit dem Problembewusstsein unserer Zeit - um den Umgang mit frühmittelalterlichen Migrantinnenschicksalen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2024
Rezensent Steffen Patzold schätzt an Michael Borgoltes "faszinierendem" Buch vor allem die vielen Einzelschicksale, mit denen der Autor den Einfluss von Königinnen auf die politische Ordnung Europas zu belegen weiß. Von der westgotischen Brunhilde über die westfränkische Judith, Tochter Karls des Kahlen, bis zu Theophanu aus Konstantinopel reicht Borgoltes Herscherinnen-Reigen. Patzold erfährt, was die Heiratsmigration für die Frauen bedeutete und welche Folgen sie hatte in Bezug auf kulturelle Einflüsse, europäische Diplomatie und die Beziehung zwischen den verschiedenen Reichen. Das Buch, quellennah, faktenstark und anschaulich, weckt beim Rezensenten den Wunsch, noch mehr zu erfahren: Wie gestaltete sich die Ehe im frühen Mittelalter? Welche Aufgaben kamen Königinnen am Hof zu? Vielleicht Stoff für einen Folgeband.
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