Aus dem Englischen von Susanne Held. Wie kein anderer verkörperte Guillaume le Maréchal (um 1147-1219; englisch auch William Marshal) die Ideale seiner Epoche. Bedingungslos verschrieb er sich dem ritterlichen Ehrenkodex und gelangte, befeuert von unersättlichem Ehrgeiz, zu einzigartigem Ruhm und Ansehen. Er war mit den Größen seiner Zeit befreundet, von Richard Löwenherz bis hin zum berüchtigten König Johann. Gleichzeitig gibt die Darstellung dieses Lebens den Blick frei auf die bestialische Realität der mittelalterlichen Kriegsführung, die Machenschaften am Königshof, und versetzt uns mitten hinein in eine entscheidende Phase unserer Geschichte, in der sich der Westen aus den dunklen Jahrhunderten herausarbeitete und an der Schwelle zur Moderne ankam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015
Viele haben schon über diesen großen Ritter aus der Ära der Plantagenets geschrieben, vor Asbridge zum Beispiel Georges Duby. Und Andreas Kilb gefällt es gar nicht, dass sich Asbridge so abfällig über den "überspannten" Duby äußert - und dabei Dubys Buch über Guillaume auch noch völlig falsch datiert. Dabei weiß Kilbs Asbridges Bemühungen bis zu einem bestimmten Grad durchaus zu würdigen. Alles ist sachlich korrekt und nah an der Person erzählt. Das Problem ist nur, dass Asbridge die im Untertitel versprochene "Welt des Mittelalters" nicht mitliefert. Das macht die Sache trocken anekdotisch (manchmal aber auch unterhaltsam, wie Kilb konzediert), oder wie Kilb es so schön ausdrückt: "Weil er sich ganz auf die Geschichte seines Helden konzentriert, entgeht Asbridge deren geschichtliche Dimension." Wie anders bei Duby, der ausführlich aus zeitgenössischen Quellen zitiert und die symbolischen Aspekte bestimmter biografischer Momente viel besser zu fassen wisse.
Norbert Zähringer liest das Buch des britischen Historikers Thomas Asbridge über das Leben des Turnierritters und Getreuen von Richard Löwenherz und Heinrich III., Guillaume le Maréchal, mit Spannung. Zähringer erfährt nicht nur, wie es Maréchal gelang, seinem jeweiligen Herrn trotz aller Intrigen und Machtkämpfe treu zu bleiben und seine Ehre zu erhalten. Die vom Autor als Quelle herangezogene Verschronik über das Leben des Ritters eröffnet dem Rezensenten zudem ein Panorama Englands im 12. Jahrhundert. Das so sichtbar werdende Mittelalter kann Zähringer nicht anders als brutal und roh finden. Die rein britische Perspektive lässt ihn den Blick auf das europäische Machtgefüge jener Zeit ein wenig vermissen.
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