Martin Gross

Ein Winter in Jakuschevsk

Roman
Cover: Ein Winter in Jakuschevsk
Sol et Chant, Letschin 2022
ISBN 9783949333118
Gebunden, 284 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Martin Gross hat ab 1998 viele Jahre in Kooperationsprojekten zwischen der EU und Russland gearbeitet und deren Scheitern miterlebt. Davon berichtet er in seinem Roman "Ein Winter in Jakuschevsk".Teilnehmend und mitfühlend schildert Gross den sibirischen Alltag der krisengeplagten Bevölkerung, die sich immer wieder durchbeißt, Notlösungen organisiert, Kränkungen einsteckt, Ansprüche und Träume aufgeben muss. Martin Gross erzählt von Verzweiflung und Galgenhumor, von Offenheit und Argwohn - und von der Liebe, die ihn auch in Sibirien findet. Aus der scheiternden Ost-West-Partnerschaft wächst eine tiefe Zuneigung zu den Menschen, die ihn begleiten. Eine Mitmenschlichkeit, wie wir sie in den aktuellen Zeiten der Grausamkeit so dringend benötigen, um nicht der Blindheit des Krieges und den Verallgemeinerungen von "Freund" und "Feind" zu erliegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2022

Dass Martin Gross' neues Buch als Roman verkauft wird, findet Rezensent Nils Kahlefendt etwas "kühn". Denn auch wenn der Autor und Literaturwissenschaftler die Aufzeichnungen, die er um 1998 bei einem Sibirien-Aufenthalt im Zeichen der russisch-europäischen Kooperation anfertigte, für das Buch abgewandelt und fiktionalisiert hat, begegnet der Kritiker hier nicht Spannungsbögen und Motiven, sondern einer eher "schmucklosen" Reihung, an die er sich erst gewöhnen muss. Dann jedoch streift er gerne mit Gross durch dessen fiktives, tristes Jakuschevsk mit seiner zwischen "Verzweiflung und Galgenhumor, Offenheit und Argwohn" schwankenden Bevölkerung; mit Hass auf den Kapitalismus und verletztem Nationalstolz, wie Kahlefendt Gross' Analyse wiedergibt. Und trotzdem sei das, besonders auch im Schlussteil des Buchs, in dem der Protagonist/Autor mit seiner Geliebten in den Norden Sibiriens und damit nochmal in ein ganz anderes Russland reist, ein Bericht "aus Friedenszeiten", der den Kritiker heute in einer "Mischung aus Ernüchterung und Beklemmung" zurücklässt.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.07.2022

Rezensent Tobias Lehmkuhl folgt Martin Gross gern in die sibirische Provinzstadt Jakuschevsk, eine fiktive Mischung aus zwei realen Städten, in denen Groß tatsächlich während der Wirtschaftskrise 1998/99 einige Zeit verbrachte. Die Mischung aus Roman und Tagebuch aus dieser Zeit erzählt von den Herausforderungen dabei, von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die sibirische Bevölkerung und davon, wie sie zu den "Verwerfungen" zwischen Russland und dem Westen beitrug - die Skepsis der Stadtbewohner gegenüber der westlichen Marktwirtschaft als "Monster-Version der Freiheit" werde dem Autor, der selbst "alles andere als überzeugter Kapitalist" sei, schnell verständlich, analysiert der Kritiker. Trotzdem erhalte Gross hier eine lobenswerte Ambivalenz bezüglich der Ost-West-Beziehung aufrecht: es werde keine Schuld zugewiesen, sondern nur beschrieben, "was alles schiefgelaufen ist und was niemals funktionieren konnte", so Lehmkuhl anerkennend.

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