"In den Aufzeichnungen von Canetti fand ich einmal den Satz: ,Er schrieb seine Romane nicht, er ging sie.' Ich überlegte mir, woher Canetti das über mich wissen konnte." Zu Papier gebracht hat Walter Kappacher seine Gedanken über das Gehen und Schreiben jedenfalls erst viel später. Sie sind in diesem Jubiläumsband nachzulesen, genauso wie zahlreiche Notizen, Fundstücke und andere Prosatexte, in denen man dem Schriftsteller ziemlich nahe kommt. Das Schreiben, erfährt man, ist für den gelernten Motorrad-Mechaniker stets ein zu erlernendes Handwerk gewesen, bloß dass die Lehrzeit des Autors niemals endet. Im amerikanischen Reisetagebuch schildert Kappacher das Nachhause-Kommen ins Land der roten Steine. Ein Gefühl, das ihm als Kind oft verwehrt blieb: Der Vater war ihm zeitlebens ein Fremder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2018
Fast zärtlich portätiert Rezensent Paul Ingendaay den Schriftsteller Walter Kappacher nach Lektüre seiner Erinnerungsnotate als einen Außenseiter der deutschsprachigen Literatur, dem es vor allem um zweierlei geht: Lesen und Schreiben. Nein, dreierlei: Auch das Gehen ist dem Autor wichtig. Kurz war mal großes Brimborium um Kappacher, merkt Ingendaay. Das war als er im Jahr 2009 den Büchner-Preis. Eine gute Wahl. Aber nun, so Ingendaay, ist der Schriftsteller wieder in die Stille zurückgesunken, die auch die Notate zu reflektieren scheinen. Es sind scheinbar Kleinigkeiten, an die sich Kappacher oft zu erinnern scheint, etwa wie er sich als Kind einen Packen Schreibpapier wünschte um zu schreiben. Abr Ingendaay schätzt die Präzision dieser Splitter, die ihm Kappachers Leben überzeugend - und sympathisch - vor Augen stellt.
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