Ein Mann, der glaubt, die Liebe zwingen zu können, erzählt seine Geschichte: "Ich bin verliebt in eine Frau und kann nicht von ihr lassen. Schon seit Jahrzehnten geht das so, es scheint mir, solange ich denken kann, doch was ich auch versuche, sie will nichts von mir wissen. Das wird sich jetzt ändern." Ein Mann, der glaubt, die Liebe zwingen zu können, sollte sich irren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.03.2005
Diesen geschmackvoll komponierten Roman um einen "rauschaligen, schwer durchschaubaren, innen etwas glibberigen Charakter" hat sich Jutta Person auf der Zunge zergehen lassen. Von solcher Natur ist Männi, der Ich-Erzähler in Martin Grzimeks neuem Buch. Dieser "austernhafte Genussmensch" und Karikaturist für ein Regionalblatt im französischen Küstenstädtchen Andernos-les-Bains spielt seit vier Jahrzehnten den väterlichen Freund der elf Jahre jüngeren Iris. Aber eigentlich ist Männi seit ihrem ersten Treffen in Iris verliebt. Und so setzt er alles daran, die irrtümlich unter Mordverdacht geratene Angebetete zu rehabilitieren und damit ihre Liebe zu erzwingen. Das "langsame Aufklappen der Männer-Psyche" verleiht dem Roman seinen Reiz, findet die Rezensentin, die in dem Werk "Charakterstudie, Mordfall und Meerblick" elegant ineinander verzahnt sieht. Vor allem, wie der alternde Karikaturist seiner Herzensdame nachstellt, wie er sie und ihren Liebhaber heimlich beobachtet und karikiert, wobei ihm all die Arafats und Chruschtschows, die er für sein Regionalblatt gezeichnet hat, ästhetisch in die Quere kommen, hat Jutta Person überzeugt. Bis zum Schluss kämpfe dieser "Meister der Überzeichnung" darum, seinen eigenen Liebestraum nicht wie eine Groteske aussehen zu lassen, "und diese tragikomische Geste ist in Grzimeks 'Austernfest' exakt getroffen".
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