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Elsa Osorio

Mein Name ist Luz

Roman
Cover: Mein Name ist Luz
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783458170310
Gebunden, 425 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christiane Barckhausen-Canale. Zunächst ist es nur ein unbestimmtes Gefühl, dann verdichten sich erste Indizien und weitere Nachforschungen zur Gewissheit: Luz ist nicht die Tochter ihrer vermeintlichen Eltern. Sie ist die Tochter einer politisch Verfolgten, einer "Verschwundenen". Luz weiß nicht, wer sie ist, bis sie eines Tages in Madrid ihrem wirklichen Vater gegenübersitzt. Ihm, der die schlimme Vergangenheit begraben wollte, entlockt sie nach und nach ihre wahre Geschichte. Gleich nach der Geburt wurde sie ihrer Mutter weggenommen, die von den Militärs verhaftet und schließlich umgebracht wurde. Hinter Luz? scheinbar normaler Kindheit in der Familie eines hohen Offiziers verbirgt sich ein Drama, das all die Menschen, die sie kennt und die sie liebt, als Täter und Opfer auf immer verknüpft. Auch Luz` Vater, der der Verfolgung entkam und ins Exil ging, muss sich nun vorwerfen lassen, dass er sein Kind verloren gegeben hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2001

Solange Elsa Osario die "ordinäre, naiv-gerissene" Miriam Lopez mit ihrer "Gossenschnauze" erzählen lässt, wie ihr Geliebter, ein argentinischer Folterknecht, einer eingekerkerten Guerillera das Kind wegnehmen ließ, ist Dorothea Dieckmann ganz zufrieden mit dem Roman. Die "erfrischende Stimme" Miriams bewahre die Handlung vor zu viel Ähnlichkeit mit einer Seifenoper. Wenn das adoptierte Kind, die inzwischen 20-jährige Luz, dann aber ihrer Vergangenheit nachspürt, wird es der Rezensentin doch zu "trivial". Das liegt vor allem an der "literarischen Bescheidenheit" der Autorin - die die vergangenen 20 Jahre abgespule wie ein "unambitioniertes Drehbuch". Die Geschichte wird zunehmend mit "Vulgärpsychologie und erzählerischen Klischees" zusammengehalten, klagt Dieckmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2001

Obwohl dieses Buch nach Martin Grzimek viel von einem Kriminalroman hat, so kann man es seiner Ansicht nach aus mehreren Gründen nicht darauf reduzieren. Denn zum einen besteche dieser Roman durch seine "verblüffende Kenntnis der Details", wobei sich Grzimek auf die Geschehnisse während der argentinischen Militärdiktatur in den 70er Jahren bezieht. Und zum anderen lobt der Rezensent die raffinierte Konstruktion des Buchs, denn die Autorin erzählt jeweils aus der Ich-Perspektive der einzelnen Figuren. Dies bewahrt nach Grzimek die Geschichte vor kitschigen Klischees, weil deutlich wird, wie sehr die Personen - jede für sich - versuchen, die Erlebnisse der Vergangenheit individuell zu bewältigen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.01.2001

Zu Zeiten des argentinischen Miltärregimes wurden die Waisen von Regierungsopfern an regimetreue Familien gegeben. Dieses Themas hat sich jetzt Elsa Osorio fiktional angenommen. "Gestohlene" Kinder ist ein schwieriges Thema, und insgesamt gefällt dem Rezensenten Eberhard Falcke die Aufbereitung dieser Geschichte ganz gut. Er lobt die verschiedenen Perspektiven, aus der die Geschichte erzählt wird und die vielschichtigen Aspekte, die in die "versiert gebauten Handlung" eingebaut wurden. Herausgekommen ist seiner Meinung nach ein "Menschenrechtsthriller". Was Falcke stört ist der allzu menschelnden Blick, zu dem so ein Schicksal einlädt: "Das ist für die Spannungsdramaturgie des Romans günstig, bringt jedoch die Durchleuchtung der Diktatur wenig voran".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Hans-Jürgen Schmitt erkennt in dieser fiktiven Geschichte ein "unerhörtes Dokument", denn die Romanhandlung hätte seiner Meinung nach auch authentisches Zeugnis sein können, demonstriere sie doch ein Stück politischer Realität Argentiniens während der Militärdiktatur. Die historische Tatsache, dass Angehörige des Militärs weiblichen Gefangenen ihre im Gefängnis geborenen Säuglinge wegnahmen und anderen Militärs zur Adoption anboten, hat die argentinische Autorin zwar nicht als erste zum Thema gemacht, aber so eindringlich "wie kaum jemand zuvor" beschrieben, preist der Rezensent. Er lobt die sachliche und dennoch erschütternde Erzählweise der Autorin und betont, dass die "sex and crime"-Szenen, die im Roman gestaltet sind und ihm mitunter den "Atem stocken" ließen, niemals aus Voyeurismus, sondern stets als "Elemente der Wirklichkeit" eingeführt werden. Besonders begeistert ist er von der "Authentizität" der Figuren und dem großen Einfühlungsvermögen, mit dem die Autorin ihre Protagonisten beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2000

Ein Buch, das Karl-Markus Gauss zufolge, knapp am Kitsch vorbeischrammt, aber ein brisantes Thema aufgreift und auf unterhaltsame, bisweilen gar erschütternde Weise darstellt. Luz, die Protagonistin dieses Romans, ist das Kind einer "Verschwundenen" sprich vom Militärregime ermordeten Frau; sie wurde von einer regimetreuen Familie adoptiert und wuchs, ohne davon zu wissen, in der Oberschicht und sozusagen im feindlichen Milieu auf. Die heute in Madrid lebende Autorin, lässt uns Gauss wissen, profitiert von ihren Fähigkeiten als Drehbuchautorin; geschickt vermenge sie Fakten und Befindlichkeiten, Sex und Gewalt, die verschiedenen Milieus. Gauss hält dem Buch zugute, dass es gut und böse nicht schematisch verteilt und seine Figuren widersprüchlich agieren lässt. Die Suche nach der Wahrheit, die Luz nach Madrid führt, gestalte sich spannend wie ein Kriminalroman: da gibt es die amtlichen Täuschungen und Vertuschungsversuche, so Gauss, aber es gibt auch die Selbsttäuschungen der Menschen, die das Leben in und vor allem nach einer Diktatur aufrecht erhalten sollen.