Martin Heipertz

Merkelismus

Die hohe Kunst der flachen Politik Europas verpasste Chancen made in Germany
Cover: Merkelismus
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783864894749
Gebunden, 272 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Hat Angela Merkels politischer Stil Deutschland und Europa geschadet? Die Bundeskanzlerin musste unter Umständen lavieren, die meist außerhalb ihrer Kontrolle lagen. Dabei traf sie Entscheidungen oder auch Nicht-Entscheidungen, die eben nicht alternativlos waren und zudem bisweilen am Parlament vorbei getroffen wurden. Merkels "Durchwurschteln" als Regierungsform bedeutet nicht etwa "Freiheit", sondern vor allem das konkrete Aushöhlen von Demokratie. Exemplarisch beleuchtet dieses Buch den Einstieg in die Euro-Rettungspolitik. Martin Heipertz seziert die taktischen Vorzüge und strategischen Nachteile von Merkels inkrementeller Krisenreaktionspolitik und ihre Ausrichtung an der erwarteten Medienresonanz. Während Merkel längst Geschichte ist, bleibt uns der Merkelismus erhalten. Der Preis dafür: ein Verlust an demokratischer Legitimität auf höchster Staatsebene.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2025

Angela Merkel ist an allem schuld: So fasst Rezensent Werner Mussler die in seinen Augen selten überzeugende Argumentation dieses Buches zusammen, in dem Martin Heipertz die Eurokrise Revue passieren lässt. Heipertz ist ein Politologe, der unter anderem in der EZB und vor allem als stellvertretender Büroleiter Wolfgang Schäubles tätig war und es ist Schäuble, den er, so Mussler, in diesem Buch immer wieder gut dastehen lässt. Die Ausführungen gliedern sich in allgemeine essayistische Überlegungen zur Politik auf der einen und eine Rekonstruktion des Geschehens im Jahr 2010 im Zuge der griechischen Schuldenkrise auf der anderen Seite. Allzu einseitig schiebt der Autor dabei, findet der Rezensent, alle Probleme auf Merkel, was besonders deutlich wird, wenn er die Konstruktionsfehler der Währungsunion nicht etwa Kohl anlastet, da dieser stets das Ziel einer politischen Union verfolgt habe, sondern Merkel, weil sie dieses Ziel aufgegeben habe. Das wird spätestens dann unrealistisch, kritisiert Mussler, wenn der Autor meint, eine solche politische Union wäre selbst 2010 noch möglich gewesen und nur an Merkels Unfähigkeit gescheitert. Merkel hat 2010 sicher Fehler gemacht, das sieht auch der Rezensent so, aber hier wird sie doch mit unfairen Mitteln kritisiert.

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