Keiner der großen Tragödiendichter der Antike mutet moderner an als der Athener Euripides (5. Jahrhundert vor Christus). Viele seiner Stücke - darunter "Elektra", "Hekabe", "Iphigenie im Taurerland", "Medea" und "Die Bakchen" - sind feste Bestandteile unseres kulturellen Gedächtnisses geworden und erscheinen regelmäßig auf den Theaterspielplänen. Sie konfrontieren uns stets aufs neue mit ethischen Grundfragen des menschlichen Lebens. Martin Hose - ein international anerkannter Euripides-Spezialist - stellt hier den antiken Dichter, sein Leben, seine erhaltenen Tragödien sowie - mit dem Kyklops - sein einziges erhaltenes Satyrspiel vor. Er analysiert die Stellung der Dramen des Euripides im politischen und intellektuellen Kontext des klassischen Athen, zeigt ihren Charakter als literarische Versuchsanordnungen, ordnet sie literaturgeschichtlich ein und bestimmt ihr Verhältnis zu jenen der beiden anderen bedeutenden Tragödiendichter Athens - Aischylos und Sophokles.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.09.2008
Zwar hätte sich Rezensent Albert von Schirnding bei der Darstellung dieses großen antiken Autors gerade auf Grund des Untertitels der Publikation etwas mehr Leidenschaft und auch farbigere Etikettierungen gewünscht. Auch kritisiert er die "Einebnung der Extreme", die seit Aristophanes die Auseinandersetzungen mit diesem Dichter charakterisierten. Dennoch findet er diese Monografie verdienstreich, die dem Rezensenten zufolge Inhalte, Mythen, Zeit- und Rezeptionskontexte sorgfältig aufarbeite, auch wenn er sich dabei mitunter eine stärkere Konzentration auf die Sprachkunst des Eurides hätte vorstellen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2008
In der allgemeinen Wertschätzung liegt Euripides oft ein bisschen hinter seinen berühmten Vorgängern Aischylos und Sophokles. Ganz zu unrecht, findet der bekannte Mediävist Kurt Flasch. Und warum das so ist, das werde einem bei der Lektüre dieser eindringlichen Darstellung des Gesamtwerks, die der Münchner Altphilologe Martin Hose hier vorlegt, auch klar. Zu wenig Hölderlin, so Flaschs leicht süffisante Erklärung für die leise Minderschätzung des Dramatikers. Das heißt umgekehrt aber auch: Abwendung vom Mythischen hin ins Psychologische und Vertrackte. Exemplarisch die "Troerinnen": Keineswegs die Feier des Sieges über Troja. Sondern, mitten im Sieg, Barbarei. Fokus nicht auf die männlichen Sieger, sondern auf die Frauen, die unter dem Krieg zu leiden hatten. Durchweg überzeugend sind für den Rezensenten die Einzelanalysen der Dramen - allerdings setzten sie die Kenntnis der Stücke durchweg voraus. Der einzige wirkliche Einwand, den Flasch gegen dies inhaltlich makellose Buch hat, ist dann auch der mangelnder Stil- und Schreibkunst des Autors. Da waren die großen Alten ihres Fachs wie Wilamowitz-Moellendorff oder Wolfgang Schadewaldt, denen Hose an Gelehrsamkeit nicht nachstehe, doch ein anderes Kaliber.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…