Das Zweite Vatikanische Konzil, das 1965 endete, hatte einen der revolutionären Kulturbrüche des 20. Jahrhunderts zur Folge. Papst Paul VI. ordnete das Ende der alten römischen Liturgie und die Schaffung einer neuen an. Doch der Optimismus, dass die Abschaffung des Lateinischen als Liturgiesprache der Kirche neue Kreise öffnen könne, ist längst vergangen. Martin Mosebachs Buch stellt die Frage, ob die Kirche durch den Bruch mit ihrer großen Tradition sich nicht selbst ihrer Substanz beraubt hat, aber auch, ob über den alten Ritus bereits das letzte Wort gesprochen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2007
Als martialischer "Kreuzritter" gegen die Verflachung der katholischen Liturgie ist Martin Mosebach hier dem Rezensenten Michael Gassmann begegnet. Doch nur bei oberflächlicher Lektüre könne Mosebach dem Leser einen Schrecken einjagen, beruhigt Gassmann, bei genauerem Hinsehen entpuppe sich der Kreuzritter bald als luftige Gestalt. Mosebach will erklärtermaßen zum vorkonziliaren lateinischen Messeritus zurückkehren, moderne Selbterfahrungsgruppen und Krabbelgottesdienste sind ihm ein Gräuel. Am Ursprung dieser "Verfallstheorie" entdeckt Gassmann jedoch einen schiefen Vergleich: die Gleichsetzung der konziliaren Messeordnung mit heutigen Auswüchsen. So nicht, meint der Rezensent. Eine von allem Menschlichen bereinigte Liturgie, wie sie Mosebach vorschwebt, ist ihm ebenfalls nicht bekannt, auch nicht aus der Zeit vor Papst Paul VI.
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…