Martin Pollack

Warum wurden die Stanislaws erschossen?

Reportagen
Cover: Warum wurden die Stanislaws erschossen?
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2008
ISBN 9783552054325
Gebunden, 232 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Für mich begann der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa am 18. August 1980. Ja, genau an diesem Tag." Martin Pollack, einem damals nahezu unbekannten Reporter, der über die Streiks der Solidarnosc in der Danziger Leninwerft berichten wollte, wurde die Einreise nach Polen verweigert. Doch die bislang so selbstbewusst-arroganten Beamten am Flughafen von Warschau wirkten ganz anders als gewohnt, verunsichert, ja beinahe ängstlich. Irgendetwas war aus dem Gleichgewicht geraten. Für den vielfach ausgezeichneten Autor, Übersetzer und Reporter Martin Pollack waren es von Anfang an einzelne Erlebnisse und persönliche Begegnungen, die große Zusammenhänge und Entwicklungen besser verständlich machen. In seinen Reportagen versteht er es, ein vielgestaltiges Panorama des Übergangs zu schaffen - und ein Manifest gegen das Diktum vom Ende der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2008

Texte von Dauer entdeckt Stefanie Peter in diesem Band mit Reportagen von Martin Pollack. Dass der Autor sein Handwerk versteht, steht für die Rezensentin ebenso fest wie die besondere Prägung der Beiträge als mit sicherer Hand verfasste Texte zwischen Literatur und Publizistik. Der Erkenntniswert auch der älteren Reportagen liegt für Peter, wie im Fall der bis heute ungeklärten Ermordung der beiden titelgebenden polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Medrek und Stanislaw Grzanka 1945 im Südburgenland, in der durch Gespräche mit Zeugen erzeugten Verdichtung eines Lebensraumes und der Konturierung von unbekannten Personen. Historisch wach und mit Wissen und Beobachtungsgabe gesegnet erscheint ihr der Autor stets und frei von der üblichen Beschwörungsseligkeit in Bezug auf den Osten Europas und seine Kulturen. Wie hier den gesellschaftlichen Veränderungen durch den Systemwechsel von 1989 nachgespürt wird, das, findet Peter begeistert, sucht in der deutschsprachigen Reportage seinesgleichen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2008

Paul Jandl zeigt größten Respekt vor den Reportagen des Journalisten Martin Pollack und preist die zwischen 1982 und 2007 entstandenen Texte, die dieser Band versammelt, als herausragende Exemplare ihrer Gattung. Ob sich der Autor mit SS-Sturmbannführer Rolf-Heinz Höppner unterhält, der nach Kriegsende ein unbehelligtes Leben in der BRD führt, oder versucht, die Gründe für den Tod der von russischen Soldaten erschossenen polnischen Zwangsarbeiter zu finden , stets sind es die Spuren von Individuen in der Geschichte, denen der Autor nachgeht, erklärt der Rezensent. Besonders der auf "Klarheit" bedachte Stil Pollacks, der sich niemals vor die Geschichte, die er erzählen will, schiebt, hat es Jandl angetan, und er preist die unspektakuläre, gleichwohl "luzide" Sprache des Autors. Zusammengenommen ergeben die Reportagen aus Österreich und Osteuropa eine überaus packende "Chronologie", die insbesondere den Wendepunkten in der Geschichte ihre Aufmerksamkeit zollt, lobt der Rezensent, der in Pollack eine Ausnahmeerscheinung unter den Journalisten ehrt.

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