Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Beobachtungen, Episoden, Einfälle, Tagebuchsplitter, Fragmente und Reflexionen eines großen Reporters des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2007
Mit einigem Drama, aber deutlich unzufrieden kommentiert Rezensent Uwe Stolzmann Ryszard Kapuscinskis nachgelassene Notizen, die ihm insgesamt wie ein "Kehraus flüchtiger Bilder" erschienen sind. Zu diffus sind hier Skizzen und Zitate, ist Hehres wie Banales hier aufgeschüttet worden. Zwar beeindruckt ihn Kapuscinski zwischendurch immer wieder durch die Prägnanz, mit der er selbst im kleinsten Textsplitter noch versteht, seinen Leser mitzunehmen ins verminte historische Terrain des 20. Jahrhunderts mit seinen Kämpfen und Kriegen. Trotzdem geht für ihn das mit diesem Band verfolgte Konzept eines Gedanken- und Text-Lapidariums nicht auf. Die kurzen Texte, aphoristischen Gedankensplitter oder Beobachtungen des berühmten Journalisten wirken auf den Rezensenten oft eher schal als tiefschürfend. "Ein tristes Vermächtnis", resümiert er enttäuscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2007
Kritisch äußert sich Rezensent Stephan Wackwitz über diese Sammlung von "nachgelassenen Weisheiten" - Reflexionen, Notizen, Ideen, Meinungen und politischen Voraussagen - des kürzlich verstorbenen polnischen Journalisten Ryszard Kapuscinski. Er berichtet von der Wandlung des Autors vom für seine Reisereportagen berühmten Journalisten zur hoch verehrten moralischen Instanz mit einer gläubigen Lesergemeinde. Die Lektüre des Bands hat ihm ein gewisses Unbehagen bereitet, das etwas zu tun hat mit Kapuscinskis Anspruch auf eine keinen Widerspruch duldende, abschließende Allgemeingültigkeit, der für ihn auf jeder Seite des Bands zu spüren ist. Dabei scheinen ihm Kapuscinskis Einsichten und Formulierungen eher banal und alles andere als aufregend. Trotzdem sei der Band aufschlussreich, schon weil er dem westlichen Leser Einblicke in die Vorstellungen und Mentalitäten Polens gewährt, zwar nicht in die der nationalkatholischen Provinzbewohner, aber in die des liberalen Bürgertums. Alles in allem spricht aus dem Band für ihn aber die "hypermoralische Enthobenheit eines unkonkreten und unpolitischen Bescheidwissens und Besserseins, das sich von unserer Welt längst verabschiedet hat".
Mit viel Sympathie nimmt Rezensentin Renee Zucker das letzte Buch des bedeutenden polnischen Journalisten auf. Es handelt sich zu ihrer Überraschung tatsächlich um lauter Notizen, Anekdoten und Beobachtungen. Besonders spannend findet sie Ryszard Kapuscinski, wenn er mit osteuropäischem Blick Richtung Westen oder die Dritte Welt schaut. Hier erinnert Kapuscinski die Rezensentin in seiner Weitsicht gelegentlich an Mircea Eliade. Sonst hat sie beim Lesen dieser Notizen immer wieder das Gefühl, der "große Reisende", als den sie Kapuscinski anerkennend bezeichnet, sei etwas müde und resigniert geworden. Insgesamt findet sie es trotzdem lohnend, "dem mäandernen Fluß seiner Aufzeichnungen" zu folgen.
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