Daniel Odija

Das Sägewerk

Roman
Cover: Das Sägewerk
Paul Zsolnay Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783552053830
Gebunden, 176 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Daniel Odijas Romane und Dramen spielen in der Provinz. Er berichtet von Menschen am Rand der Gesellschaft und bietet einen beklemmenden Eindruck in das Polen von heute und die Entdeckung einer magischen für unsere Augen archaischen Welt. Unsentimental erzählt Odija von einem Dorf, das bis zur Wende von einer Kolchose beherrscht wurde und nun langsam vor die Hunde geht. Einzig der Schmalspuroligarch und Sägewerksbesitzer Jozef Mysliwski versteht es, die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen. Als er scheitert, ist auch der Traum vom raschen Aufstieg auf Kosten anderer ausgeträumt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

Richard Kämmerlings kann dem Buch von Daniel Odija über den Aufstieg und Niedergang eines Sägewerkbesitzers in der polnischen Provinz zwar keinen Trost entnehmen, dafür feiert er den polnischen Autor als "verheißungsvolle" Neuentdeckung. Über zwei Jahrzehnte kann man den kometenhaften Aufstieg von Jozef Mysliwski verfolgen, der als erster im desolaten Dorf auf die Idee kommt, in dem bewaldeten Gebiet ein Sägewerk aufzubauen und damit reich wird. Als einziger Arbeitgeber des Ortes kann er es sich bald leisten, protzig durch die Gegend zu kutschieren und den Frauen des Dorfes nachzustellen, was ihn allgemein verhasst macht, so der Rezensent zusammenfassend. In einer Sprache, die der Bibel und den Volksmärchen entlehnt ist, entwirft Odija seine Kapitalistengeschichte, wobei er subtil die Fabrikantenfamilie als Negativversion der Heiligen Familie stilisiert, ohne die "religiöse Symbolik" allerdings zu überzeichnen, lobt Kämmerlings. Einzig die Naturschilderungen, die die heile Gegenwelt zum kapitalistisch verkommenen Dorfkosmos bildet, läuft Gefahr, in "Öko-Esoterik" umzuschlagen, kritisiert der ansonsten sehr eingenommene Rezensent zurückhaltend.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2006

Tristesse und Düsternis von Daniel Odijas Roman "Das Sägewerk" haben Andreas Breitenstein beeindruckt. Lakonisch und schmerzhaft genau schildere Odija das hoffnungslose Provinzleben verarmter und verrohter Wendeverlierer im ländlichen Nordosten Polens, lobt der Rezensent. Dabei entwerfe der Autor "Fallstudien der Entfremdung", in deren Zentrum die Geschichte eines Geschäftemachers steht, der sich dank seiner Skrupellosigkeit zunächst über das Elend erhebt, dann aber der Logik des Kapitalismus selbst zum Opfer fällt, in Schulden und Erpressungen gerät und schließlich das Sägewerk abfackelt, das ihn erst reich gemacht, dann ruiniert hat. Nicht nur seine Personen versteht Odija schockierend direkt darzustellen, erkennt der Rezensent an. Allein schon wegen der "wie magisch leuchtenden Landschaftsbilder" empfiehlt er Odijas Roman, der den Leser ahnen lasse, in welcher "seelischen Krise" Teile Polens stecken.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Sascha Josuweit ist erstaunt, wie ungerührt die Figuren von Daniel Odija ihren letztlich unvermeidlichen Untergang beobachten. Aber er ist ebenso überzeugt davon, dass der Autor mit der deftigen Handlung und den groben Gefühlen keine Klischees bedient, sondern "äußerst konkret" vorgeht, nah dran am wirklichen Leben im ländlichen Polen heute. Odija stifte seiner Geschichte um den ausbeuterischen Sägewerksbesitzer, der am Ende an noch abgefeimteren Geschäftsleuten scheitert, einen "bunten Haufen" von Nebenfiguren, die den Rezensenten zusammen mit der immer wieder auftretenden "starken Bildlichkeit" dazu veranlassen, Odijas selbst vorgenommene Einschätzung dieses Romans zu relativieren: Hier liege nicht nur eine Studie über das Böse vor, sondern auch eine Studie des Gegenwartspolen, die an Andrzej Stasiuk erinnern lässt, bloß ohne dessen Nostalgie.
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