Das Buch zur ARD-Dokumentation hat den "Papst der Widersprüche" und seine Wirkung zum Thema. Vor 25 Jahren wurde Johannes Paul II. zum Papst gewählt - als erster Nichtitaliener seit über 450 Jahren, als erster Slawe, als erster Bürger eines kommunistischen Staates. Martin Posselt zeigt in seinem Buch die verschiedenen Seiten des Papstes, der mit seinem kraftvollen und weltoffenen Auftreten die Menschen verzaubert, aber auch als unnachgiebiger Hierarch und Dogmatiker im Vatikan gilt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2003
Kein Papst ist soviel fotografiert worden, über keinen Papst ist soviel schon geschrieben worden, weiß Markus Brauck um die Schwierigkeit der Biografen, die in diesen Tagen des 25jährigen Amtsjubiläums angetreten sind, das Leben des polnischen Pontifex und rekordverdächtigen Oberhaupts der katholischen Kirche einer Revision zu unterziehen. Martin Posselt wählt die Perspektive des Historikers, er hält Distanz, erläutert Brauck, wobei in jedem Kapitel auch der Respekt des Autors für den Gegenstand seiner Beschreibung spürbar werde. Enthüllungen oder Entlarvendes seien von Posselt nicht zu erwarten, baut Brauck vor, er zöge insgesamt eine positive Bilanz der Amtszeit von Johannes Paul II. Als Kenner der katholischen Kirche setze Posselt bereits bei den Amtsvorgängern ein und wisse so erst recht die radikalen Veränderungen im Papstamt - hierzu zählt er die vielen Reisen, die Schreibwut, den offensiven Umgang mit den Medien, seine politisch-moralischen Einlassungen - zu würdigen. Über die Widersprüche des Papstes huscht ihm Posselt ein wenig zu schnell hinweg, kritisiert Brauck, gerade die wären es doch, die diesen Menschen so faszinierend machten. Insgesamt sei Posselts Biografie jedoch ein verlässliches Buch, ohne jede Sensationsheischerei und ganz ohne die üblichen Superlative.
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