Martin Warnke

Large Language Kabbala

Eine kleine Geschichte der Großen Sprachmodelle
Cover: Large Language Kabbala
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751830607
Kartoniert, 152 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Nicht Nerds, sondern Schrift-Gelehrte sind es, die das Feld der generativen Künstlichen Intelligenz wie ChatGPT erklären können: Solche "Large Language Models" wurzeln in der Sprachwissenschaft, Literaturkritik, ja sogar in der Auslegung heiliger Texte. Diese These verfolgt Martin Warnke durch eine Archäologie der LLM-Ursprünge - von Zellig S. Harris' statistischer Sprachtheorie über Walter Benjamins Sprachphilosophie bis zur jüdischen Kabbala. Dabei zeigt sich, dass mystische Textauslegungstechniken ähnliche Eigenheiten und damit auch Probleme aufweisen wie heutige Computersysteme: Es sind Sprachstrukturen, keine künstlichen Gehirne, die uns faszinieren und beängstigen. Die "Halluzinationen" der KI sind keine Kinderkrankheiten, sondern zwangsläufige Folge linguistischer Verfahren, die Semantik ohne Weltbezug allein aus Syntax ableiten. Eine Kritik muss daher bei der fundamentalen Frage ansetzen: Was sind das für Systeme, die nur in der Sprache sind und keine Welt haben?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2026

Rezensent Günter Hack verspricht mit Martin Warnkes Buch eine nicht durchweg wasserdicht argumentierende, aber eine lohnende Lektüre. Der Autor, Physiker und Historiker digitaler Medien geht darin, in KI-kritischer Ausrichtung, den sprachtheoretischen Hintergründen und Angreifbarkeiten von LLMs, also Large Language Models wie ChatGPT, nach. Wie Warnkes Analyse, die sich auf die statistikbasierte Linguistik stützt, dabei helfe, die Möglichkeiten dieser Systeme und auch ihrer Bildgeneratoren besser einschätzen zu können, findet der Kritiker schon lesenswert. Aber das Buch geht darüber hinaus: so verbinde Warnke etwa LLMs, die jüdische Auslegungspraxis der Kabbala und die linguistische Theorie von Zellig S. Harris darüber, dass sie alle qua "Mustererkennung in einem Textkorpus" Sinn herstellen. Auch zu Benjamins "Schwellenkunde" und Übersetzungstheorie spanne der Autor einen Bogen. Diese ideengeschichtlichen Teile geraten dem Kritiker mitunter etwas zu rasant, er hätte sich hier stellenweise mehr Differenzierung gewünscht. Den "technik- und wissenschaftshistorischen" Teil findet er hingegen überzeugend und empfiehlt das Buch als "knappen und stringenten" Einspruch gegen die Intelligenzfähigkeit von LLMs.  

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