Bereits die Ikarussage erzählt vom Wunsch des Menschen, es Gott gleichzutun, und von seiner Angst, genau dafür bestraft zu werden. Dieser unauflösbare Widerspruch von Sehnsucht und Furcht bestimmt das westliche Mensch-Maschinen-Verhältnis bis heute - herzerhebendes Wunder und erschreckendes Monster, undurchschaubare Magie und kalt berechnete Mechanik: Was ist es, was wir da geschaffen haben? Während die Theatermaschinen, die als mechanische Singvögel, herabschwebende Gottheiten oder künstlicher Wind Leben auf die Bühne brachten, wohligen Schauer im Publikum erzeugten, schienen der mechanische Webstuhl und andere nützliche Maschinen sich den Menschen untertan zu machen. Die Maschine begeisterte mittelalterliche Mönche, die mit der Uhr die Zeit neu erfanden, und stieß auf die Ablehnung der Päpste, die eine von Gott unabhängige Zeit nicht dulden konnten.Maschinen bannen unsere Aufmerksamkeit und sind in der Lage, alles zu verändern: wie wir arbeiten, wie wir denken, wie wir lieben.
Rezensent Matthieu Praun folgt der notwendigerweise anthropozentrischen Sicht im Buch des Zürcher Psychoanalytikers Daniel Strassberg über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Strassbergs "spannender" Gang durch die Technikgeschichte, zu mittelalterlichen Kussmaschinen und weltbildprägenden Momenten wie der Entwicklung der mechanischen Uhr, macht Praun klar, dass es bei Maschinen nie nur um mechanische Zwecke ging, und welche Ängste und Hoffnungen im Verhältnis Mensch-Maschine steck(t)en. Die psychologisch-historische Perspektive des Buches hält Praun für eine seltene Annäherung an das Thema, auch wenn der Autor sich "bewusst" in einer Linie mit französischen Technikphilosophen wie Bruno Latour verortet, wie Praun erkennt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2022
Rezensentin Vera Linß hält das Buch des Philosophen und Psychoanalytikers Daniel Strassberg über menschliche Faszination und Furcht angesichts der Technik für äußerst zeitgemäß. Linß denkt an KI und unser Verhältnis dazu, wenn der Autor einen Abriss der Technikgeschichte gibt, Funktionen der Technik Revue passieren lässt, vom bloßen Spektakel über die Nützlichkeit bis zur Zertrümmerung von Weltbildern, und schließlich untersucht, welche Emotionen wir mit der Technik verbinden. Lehrreich und erhellend findet Linß Strassbergs Vorschlag, die Maschine als Spiegel des Menschen zu betrachten.
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