Mary Beard

Die Kaiser von Rom

Herrscher über Volk und Reich
Cover: Die Kaiser von Rom
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103975468
Gebunden, 544 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ursula Blank-Sangmeister. Mit 134 s/w-Abbildungen und mit 16 Seiten Tafelteil mit 24 farbigen Abbildungen. Mary Beard erzählt über Leben und Herrschaft der Kaiser von Rom. Sie zeigt, was es wirklich hieß, Kaiser von Rom zu sein, jenseits der wilden Geschichten über Intrigen, Orgien und Wahnsinn. Sie schildert, wie Augustus, Nero oder Caligula die Regierungsgeschäfte führten, stellt ihren Alltag dar, ihre Aufgaben und ihr Verhältnis zum Volk. Sie macht uns mit den Ehefrauen und Geliebten des Kaisers bekannt, mit seinen Rivalen, Buchhaltern und Hofnarren. Und sie zeigt, was die einfachen Leute im Kaiser sahen: die Verkörperung all ihrer Sehnsüchte, Ängste und Wünsche, doch ebenso den weisen Richter, der ihre Probleme löste.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2025

Mit großem Vergnügen liest Rezensent Thomas Ribi dieses Geschichtsbuch über den Alltag römischer Herrscher. Ribi erkennt in den Ausführungen der renommierten Althistorikerin Mary Beard sofort: die Biografien wie das Aufgabenprofil der römischen Kaiser sind eine narrative Goldgrube. Und "Mary Beard kostet die Anekdoten genussvoll aus", betont er. Die dem Buch zugrunde liegende Frage, was ein römischer Kaiser macht, gibt Beard den Rahmen für eine Rekonstruktion des antiken Kaisertums in horizontaler und vertikaler Ebene, die Ribi sehr gut gefällt. So schildert Beard, wie die römischen Kaiser ihre Gesellschaften zu verwalten wussten, und stößt dabei oft auf Skurrilitäten, macht aber auch deutlich, welche Anforderungen an sie gestellt wurden - unter anderem das militärische Können, das den gepriesenen Herrschern entgegen überlieferter Quellen angeblich fehlte. So sei die Macht der Herrscher in den Jahrhunderten nach der Geburt Christi immer "labiler" geworden, erfährt Ribi, und Beard zeigt eindrucksvoll, wie sehr ihre Macht durch die Armeen bedroht zu werden begann. Alles in allem ein "glänzend geschriebenes Buch", schließt der Rezensent erfreut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Dass Anekdoten, egal, ob sie wirklich stimmen oder nicht, einen wichtigen Teil zur öffentlichen Meinung über die römischen Kaiser beitragen, lernt Kritiker Jannis Koltermann bei der Althistorikerin Mary Beard, die in diesem populärwissenschaftlichen Buch Strukturen des römischen Kaisertums ergründet. Der Ansatz erinnert Koltermann an das Standardwerk von Fergus Millar zum gleichen Thema, ist aber in Beards Fassung deutlich zugänglicher, auch durch die Anekdoten, die sie beispielsweise zu Elagabal einstreut, bei dessen Banketten Gäste an der Übermasse an herabregnenden Blütenblättern erstickten. So hat Beard eine gut lesbare, lebendige Darstellung des römischen Kaisertums vorgelegt, die zwar die Forschung zum Thema nicht revolutionieren, besonders die nicht fachkundigen Leserinnen aber begeistern dürfte

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024

Rezensent Peter Körte schätzt die Althistorikerin Mary Beard für ihre neuen, überraschenden Perspektiven auf vermeintlich Altbekanntes. Dieses Mal erweckt sie ihm allerdings den leisen Eindruck, eher Geläufiges abgeändert wiederzugeben, kritisiert er sacht. Trotzdem: Gerade für Leser, die sich noch nicht so intensiv mit den Kaisern des Alten Roms auseinandergesetzt haben, bietet ihr Buch eine spannende Verhandlung der Frage, was eigentlich bedeutete damals alleiniger Herrscher zu sein. Und eine exzellente Erzählerin ist sie sowieso, lobt der Rezensent, die ihre wissenschaftlich kompetenten Ausführungen, mit "Ironie und Sophistication" anreichert. Außerdem ist sich die Autorin bewusst, dass ihre Quellen "poröse Gebilde" sind, betont Körte, in die sich auch Mythisches, "Klatsch" und Fantastisches schmuggeln: Niemand kann schließlich ganz genau wissen, aus welchen Gründen Caligula sein Pferd zum Konsul machte. Den historischen Ungewissheiten tritt Beard mit "gute begründeten Hypothesen" entgegen, so Körte, der sich für das nächste Mal höchstens wieder mehr frischen Wind von der Autorin wünscht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.10.2024

Nicht das was, sondern das wie begeistert Rezensent Jens Jessen an Mary Beards Buch über die römischen Kaiser. Die Quellen, die sie nutzt, sind bekannt, erläutert Jessen, sie würden auch nicht besonders originell ausgelegt, aber was die Althistorikerin mit ihnen anstellt, ist für Jessen doch besonders. Und zwar, führt der Rezensent aus, weil Beard keinen chronologischen Durchgang durch die Kaiserschaft unternimmt, sondern das Bild eines Kollektivkaisers zeichnet, also darstellt, wie der Tagesablauf, der Machtgebrauch, das Liebesleben und so weiter der Kaiser im Allgemeinen aussah. Sie geht auch, lernen wir, auf das Problem ein, dass nicht alle Aufzeichnungen über Kaiser der historischen Wahrheit entsprechen und argumentiert, dass auch Erfindungen einen historischen Kern in sich tragen. Insgesamt hat die Autorin weniger ein Buch über einzelne Kaiser geschrieben als über das Kaiseramt, das fast zwangsläufig die Persönlichkeit derer, die es tragen, prägte. Das findet Jessen sehr überzeugend. Nur die christlichen Kaiser, die hätte er sich auch noch dazugewünscht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.09.2024

Mary Beards Buch zeichnet ein vielseitiges Bild des römischen Kaisertums, freut sich Rezensent Michael Opitz. Behandelt werden die Kaiser von Mitte des 1. Jahrhunderts vor bis Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus, doch obwohl das Buch um eine Auflistung aller behandelten Kaiser ergänzt ist, erzählt es nicht einfach deren Lebensgeschichten nach, erläutert Opitz. Vielmehr, so der Rezensent, nähert sich Beard ihrem Gegenstand aus verschiedenen Perspektiven, mal geht es um die Ehen, die Kaisers führen, mal um ihren Haushalt, auch die teils blutigen, teils aber auch natürlichen Tode, die sie sterben, werden thematisiert. Weiterhin lernt Opitz von Beard, dass die Kaiser, wiewohl sie an der Spitze des Staates standen und nach ihrem Tod gar in den Rang von Göttern aufsteigen konnten, auf das Wohlwollen des Volkes angewiesen waren. Insgesamt ein lehrreiches Buch nicht nur für Fachleute, so das Fazit.

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