Stürzende Imperien
Rom, Amerika und die Zukunft des Westens

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024
ISBN
9783608982367
Gebunden, 288 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von von Thomas Andresen. Der Westen befindet sich in einer Krise: Unsere Demokratie ist angeschlagen, die Deindustrialisierung bedroht den Wohlstand und Flüchtende machen sich auf in westliche Länder und stehen vor den Toren. In diesem außergewöhnlichen historischen Vergleich erkunden die Autoren die unheimlichen Parallelen - und produktiven Unterschiede - zwischen dem Untergang Roms und dem Fall des Westens, um aus der antiken Geschichte neue Lehren zu ziehen. Die Ära der westlichen globalen Dominanz hat ihr Ende erreicht - doch was kommt als Nächstes?
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024
"Lasst Rom in Frieden ruhen", fordert Rezensent Andreas Kilb nach der Lektüre des Buches von Peter Heather und John Rapley. Deren Vergleich zwischen dem Untergang des Römischen Reiches und der modernen, westlichen Zivilisation nimmt er im Anschluss Stück für Stück auseinander: Der Einfall der Hunnen brachte als "exogener Schock" das Reich zu Fall, erinnert der Rezensent, die vermeintlichen Äquivalente, die die Autoren für die Gegenwart anbringen (Finanzkrise, Covid, Ukrainekrieg) sind damit nicht zu vergleichen. Die Darstellung lässt wichtige historische Ereignisse, die zur Entstehung der heutigen politischen Situation beigetragen haben aus oder erwähnt sie nur am Rande, kritisiert Kilb. Auch wenn es sicherlich bestimmte "strukturelle Ähnlichkeiten" zwischen der Vergangenheit und Gegenwart gibt, dass will Kilb gar nicht bestreiten, treten letztendlich die Unterschiede vielmehr hervor, zum Beispiel im Verhältnis zwischen der ökonomischen Situation, die damals von Sklavenhandel und Landbesitz bestimmt wurde, heute von einem immer weiter expandierenden Kapitalismus. Die Verbesserungsvorschläge, die die Autoren am Ende des Buches für die Zukunft der westlichen Zivilisation anführen, sind durchaus "vernünftig" - allerdings hätte man für diese Erkenntnisse nicht unbedingt die Alten Römer bemühen müssen, seufzt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 10.10.2024
Rezensent Herfried Münkler ist der Ansicht, dass dieses Buch eine starke Antwort auf den viel benutzten Begriff "spätrömische Dekadenz" darstellt. Denn Peter Heather und John Rapley vergleichen zwar das Ende des Römischen Reiches mit der aktuellen Situation des Westens, gehen dabei aber sowohl auf Ähnlichkeiten als auch auf Unterschiede ein und verzichten auf schlagwortartige Verkürzungen. So betonen die Autoren laut Münkler die Differenz zwischen einer agrarischen Gesellschaft wie der römischen und einer industriellen wie der aktuellen. Was nun den Untergang des Römischen Reiches angeht, so argumentieren der Historiker Heather und der Wirtschaftswissenschaftler Rapley dem Politikwissenschaftler Münkler zufolge, dass daran nicht ein Mentalitätswechsel oder Überforderung durch Einwanderung schuld war; vielmehr seien die Gründe in ökonomischen Faktoren zu suchen, da die Kriege gegen das Perserreich in Verbund mit Klimaveränderungen die Finanzen überfordert hätten. Auf die Gegenwart übertragen, lernt Münkler, heißt das, dass auch die Probleme des Westens ökonomischer Natur sind, nämlich mit der Verlagerung von Industrie in die Peripherie zu tun haben, und dass man ihnen nur entkommt, wenn ein Handelskrieg mit China - analog zum Perserreich - vermieden, Putins Russland aber militärisch in die Schranken gewiesen wird. Ansonsten wird Putin Nachahmer finden, warnt Münkler mit Heather und Rapley, wie der Rezensent überhaupt die Analyse, die dieses Buch vornimmt, für schlüssig zu halten scheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2024
Rezensent Uwe Walter sieht historische Analyse, plausible Gegenwartsdiagnose und einen sachten Optimismus glücklich vereint in diesem Buch des Spätantikeforschers Peter Heather und des Ökonomen John Rapley. Wie die Autoren spätrömische Geschichte deuten und analoge Strukturen und Prozesse zwischen dem Römischen Reich und der Geschichte des Westens bis heute entdecken, findet er lesenswert. Allein schon Rapleys Nachzeichnung westlicher Dominanz und ihrer Mechanismen vom Spätmittelalter bis 1999 scheint ihm das Buch wert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2024
Interessiert, aber teilweise auch skeptisch und streckenweise amüsiert liest sich Rezensent Gustav Seibt durch das Buch Peter Heather und John Rapleys, das die Analogie zwischen dem Untergang des Römischen Reichs und der geopolitischen Gegenwart unter die Lupe nimmt. Die Rolle des Römerreichs weisen die beiden Historiker dem "Westen", also den USA und ihren europäischen Bündnispartnern zu, lernen wir, im Zentrum der Analyse stehen wirtschaftliche Fragen. Wodurch gleich deutlich wird, führt Seibt entlang der Lektüre aus, inwiefern die Analogie auf Grenzen stößt - schließlich hat die gegenwärtige globalisierte Weltwirtschaft mit der römischen Sklavenhaltergesellschaft nicht viel zu tun. Eine zentrale These der Autoren lautet,dass es gerade der zivilisatorische Erfolg des Römischen Reichs war, der dessen Untergang hervorbrachte, da die Provinzen der Peripherie mehr und mehr am römischen Wohlstand Teil hatten und auf Einfluss drängten. Teils mit den, teils gegen die Autoren gleicht der Rezensent deren Argumentation mit der historischen Wirklichkeit ab und kritisiert unter anderem, dass bei Heather und Rapley die islamische Expansion im 7. Jahrhundert keine Rolle spielt. Dass die Autoren als mögliche Rettungsringe für den in seiner Dominanz bedrohten Westen einen Maßnahmenkatalog vorschlagen - unter anderem: Kooperation, Klimawandelbekämpfung, Schuldenerlass -, der dem sozialdemokratischen Mainstream entspricht, nimmt der dem Buch insgesamt durchaus zugewandte Seibt eher belustigt zur Kenntnis.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.08.2024
Vergleiche zwischen dem Untergang des römischen Reiches und dem Niedergang der westlichen Gesellschaft werden oft von rechts-konservativen Kreisen bemüht und als Begründung für eine Abschottungspolitik genutzt, schreibt Rezensent Jens Balzer. Wie erfrischend ist da die Schlussfolgerung, zu der die Historiker Peter Heather und John Rapley mit dem selben Vorgehen gelangen, lobt der Kritiker. So sei Rom nicht an seiner Dekadenz, sondern an seinem Reichtum niedergegangen, der sich in die Peripherie verlagerte und die dort ansässigen Stämme erst in die Lage versetzte, eigenständig zu werden, staunt Balzer. Hier erkennen die beiden Autoren, so der Kritiker, die Parallele zur westlichen Gesellschaft, die heute von autoritären Staaten wie China herausgefordert werden. Der Westen soll deshalb möglichst nicht die Fehler Roms wiederholen und weiter die liberale Demokratie gegenüber autoritären Staaten hochhalten. Hier rutschen die Autoren leider in "einen sonntagsrednerischen Zweckoptimismus" ab, moniert der Kritiker. Das Buch sei trotzdem "unbedingt lesenwert", vor allem wegen der Analyse der Spätphase Roms.