Matthias Becher bietet in dieser Biographie Karls des Großen einen Überblick über den Aufstieg der Karolinger als Herrschergeschlecht, schildert die familieninternen Auseinandersetzungen um die Krone, zeigt die Rolle des Adels und der Kirche im fränkischen Reich, die Organisation der Gesellschaft, die staatliche Ordnung, die kulturelle Entwicklung, die Außenpolitik Karls und schließlich die Rezeption seines Kaisermythos.
Norbert H. Ott rezensiert zwei Bücher deutscher Historiker, die sich der Biografie Karls des Großen widmen. Das eine "voluminös", das andere "eine knappe Einführung", werden beide ihrer Sache auf eindrucksvolle Weise gerecht.
1) Dieter Hägermann: "Karl der Große"
Norbert H. Ott findet nur lobende Worte für die souverän geschriebene und "wohl für lange Zeit gültige, große Gesamtdarstellung von Person und Epoche" Karls des Großen. Der Autor, Historiker aus Bremen, hat die kurz nach Karls Tod geschriebene "Vita Karoli magni" von Einhard zum Ausgangspunkt und ständigen Begleiter seiner Auseinandersetzung mit jener Epoche gemacht. So kann er vermitteln und abwägen zwischen Primärquellen und heutigem Forschungsstand, schreibt Ott, und sich am Geschichtsbild jener Epoche abarbeiten, von der er ein ebenso "differenziertes wie farbiges Bild" heraufbeschwört. Bemerkenswert findet der Rezensent auch, daß das Buch trotz intensiver Quellenforschung ohne eine einzige Fußnote auskommt.
Matthias Becker: "Karl der Große"
Bescheidener, aber nicht weniger intelligent als die Hägermann-Biografie liest sich für Norbert H. Ott die Einführung in Zeit und Leben Karls des Großen, die der junge Bonner Historiker Matthias Becher vorgelegt hat. Ihm gelingt es, laut Rezensenten, durch einen kleinen dramaturgischen Trick im Eingangskapitel gleich die Problematik anzureißen, die fortan die europäische Geschichte infolge der Kaiserkrönung bestimmen sollte. "In Karls Person verdichtet sich die Geschichte", resümiert Ott, sein Reich "bildete die Keimzelle des modernen Europas".
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