Unsere "second screens", E-Reader, Smartphones und Tablets, haben die Grenze zwischen digitalen und gedruckten Texten durchlässig gemacht. Doch die Frage ist nicht, ob das Ende des Buches gekommen ist, sondern welchen Umgang mit Information, Wissen und Literatur die jeweilige Form des Textes ermöglicht. Angesichts wachsender Online-Textarchive gilt es, beide Formen des Textes aktiv zu nutzen. Eine ko-operative Lektüre, die vom Buch zum Bildschirm und vom Bildschirm zum Buch wechselt, kann Vor- und Nachteile beider Medien beobachten und nutzen lernen. Dabei ist auch das Buch als materieller Gegenstand wiederzuentdecken, der zu etwas auffordert, das mit keinem digitalen Text gemacht werden kann - einer Kulturtechnik, der bislang kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde - das Blättern in Büchern.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.07.2023
Matthias Bickenbachs Buch zur Debatte um die Zukunft des analogen Buchs verhandelt das Thema nicht in üblicher Weise, so Rezensent Thomas Groß. Bickenbach nimmt hier einen "kleinen Leistungsvergleich" vor: Das Buch als Produkt bietet den Vorteil, dass es in die Hand genommen und umgeblättert werden kann, was ein anderes Erlebnis als bei einem E-Reader ermöglicht. Dagegen haben diese einen "funktionalen Vorteil" mit einer Fortschrittsanzeige und Algorithmen, die das Leseerlebnis an den Leser anpassen. Vor allem die Betrachtung "unscheinbarer, automatisierter Praktiken" schätzt der Rezensent. Weniger überzeugt zeigt er sich von Bickenbachs Empfehlungen zur Mediennutzung, die gut klingen, praktisch aber schwer umzusetzen sein dürften. Trotzdem gefällt Groß diese Medienanalyse, durch die er in Zukunft bewusster lesen wird.
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