Karsten Rudolph

Sendestörung

Aufstieg und Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Cover: Sendestörung
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406836909
Broschiert, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Brauchen wir einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und wenn ja, wie viele? Der gemeinnützige Rundfunk ist eigentlich eine geniale Idee: Politisch und wirtschaftlich unabhängig stellt er eine Grundversorgung mit Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung sicher. Aber ist das noch zeitgemäß? Und wie unabhängig darf der Rundfunk sein, wenn es um die eigenen Interessen geht? Karsten Rudolph beschreibt die Geschichte der öffentlich-rechtlichen "Sendeanstalten" und zeigt, warum wir sie weiter brauchen vielleicht in neuer Form. Die BBC war das Vorbild, als die Westalliierten bald nach dem Untergang des "Dritten Reichs" unabhängige Sendeanstalten gründeten, die sich zur ARD zusammenschlossen und denen die Länder 1961 ein Zweites Deutsches Fernsehen zur Seite stellten. Spätestens jetzt begann die große Zeit der öffentlichen Sender, die mit Nachrichten, Unterhaltungsshows, Spielfilmen und Sport die Nation wie um ein knisterndes Lagerfeuer versammelten. Aber dann kamen die privaten Sender, gefolgt vom Internet, und die Öffentlich-Rechtlichen reagierten mit einer unübersichtlichen Vervielfältigung der Angebote. Muss das so sein? Und müssen die Gebühren immer weiter steigen? Stößt eine gute Idee an ihre Grenzen? Karsten Rudolph zeigt, wo auch heute die Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks liegen können, wenn wichtige Reformen bei Programm, Finanzierung, Organisation und Kontrolle endlich angegangen werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2025

Nicht mit allem, was Karsten Rudolph hier über die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens schreibt, ist Rezensent Helmut Hartung einverstanden. Wir erfahren, wie die ersten Sender in Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Auftrag, neutrale Berichterstattung zu leisten, gegründet wurden, wie ein erster Versuch eine privatwirtschaftliche Alternative mit mehr Regierungsnähe zu gründen 1960 scheiterte und wie vor allem den Intendanten bald traumhafte finanzielle Bedingungen zugesichert wurden. Rudolph beschreibt die 1960er und 1970er als goldene Jahre der Öffentlich-Rechtlichen, die Probleme beginnen für ihn erst mit der Zulassung der Privaten in den 1980ern, die, referiert Hartung, nur mit politischen Faktoren, nicht mit einem Bedürfnis in der Bevölkerung zu tun hatte. Der Rezensent ist damit nicht ganz einverstanden und meint, dass die seither auftauchenden Probleme ihre Wurzeln durchaus schon in der vermeintlich goldenen Zeit hatten, etwa was die nicht immer gewährleistete Neutralität betrifft. Auch, dass eine Reform der Sender gelingen kann, wenn sie lediglich ein wenig abspecken und wieder flinker auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren, glaubt Hartung Rudolph nicht. Ein Buch ist das, so das Fazit, dessen Autor sich zwar zweifellos gut auskennt, der aber nicht immer die richtigen Schlüsse zieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2025

Viel lernen über die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann man laut Rezensentin Ulla Fölsing aus diesem Buch. Geschrieben hat es der Historiker und ehemals im WDR-Verwaltungsrat tätige Karsten Rudolph, der darstellt, wie die Öffentlich-rechtlichen nach dem Vorbild der BBC entworfen wurden, ein vielseitiges Programmangebot entwickelten, das mit der Konkurrenz durch die Privaten noch einmal ausgebaut wurde und nur auch den Medienwandel im Zuge der Durchsetzung des Internets reagieren müssen. Ein zurückhaltendes, keineswegs euphorisches Fazit steht am Ende dieses informativen Buches, schließt Fölsing.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.08.2025

Rezensentin Brigitte Baetz lobt das Buch des Historikers Karsten Rudolph, der eine umfassende Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt hat: Sie lernt schnell, dass dessen Krisen nicht erst im 21.Jahrhundert begonnen haben, sondern von Anfang an da waren. Nach dem WM-Gewinn der Deutschen 1954 war es für viele Politik- und Kirchenvertreter kein Stein des Anstoßes, dass viele Fans die erste Strophe des Deutschlandliedes anstimmten, wohl aber, dass der Kommentator den Torwart als "Teufelskerl" und "Fußballgott" bezeichnet hatte, erfahren wir. Adenauer war gegen die Unabhängigkeit der Rundfunkanstalten, berichtet Baetz, und das ZDF war lange chronisch unterfinanziert. Mit Rudolphs These, dass das Privatfernsehen die Gesellschaft gespalten habe, geht sie nicht d'accord, teilt aber seine Einschätzung, dass die Sender ihrem Auftrag wieder besser nachkommen müssen, um "Bollwerk" für die Demokratie zu bleiben. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.08.2025

Ein lesenswertes Buch über die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Karsten Rudolph laut Rezensent Stefan Fries verfasst. Der Autor ist außerordentlich kompetent bezüglich dieses Themas, stellt Fries klar, schließlich ist er einerseits Historiker, andererseits war er lange im WDR-Verwaltungsrat und außerdem als SPD-Landtagsabgeordneter mit Medienpolitik beschäftigt. Der Aufstieg der Öffentlich-Rechtlichen nimmt in dem Buch gemäß Fries' Darstellung mehr Raum ein als die Krise, man lernt freilich auch einiges darüber, weshalb Reformen in diesem Bereich oft schwer durchzusetzen sind und warum Rundfunkpolitik de facto oft eher vom Bundesverfassungsgericht gemacht wird als von Parlamenten. Manchmal droht man ob der Faktenfülle den Überblick zu verlieren, meint der Rezensent, dem außerdem gern mehr über die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte gelesen hätte. Einiges zu sagen hat Rudolph jedoch, erläutert Fries, mit Blick auf die plötzlich fundamental unsichere Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen. Auch Fries ist nach der Lektüre des Buches sehr gespannt, wie es weitergeht.

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