Im Mittelpunkt dieses Buches steht die ästhetische Vergegenwärtigung fürstlichen Regententums im Medium der Schlossbaukunst des Alten Reichs und ihre Ausgestaltung zu einem Gegenstand von hoher metaphorischer Aussagekraft im Dienst früher fürstlicher Staatlichkeit. Ihren Ausgang nimmt die Untersuchung im sächsischen Kurfürsten- und Herzogtum, dessen höfische Bauprojekte von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts als besonders innovativ gelten dürfen. Von hier aus werden alle wichtigen Territorien Mitteldeutschlands erschlossen und Vergleichsbeispiele aus dem ganzen Alten Reich miteinbezogen. Auf diese Weise kann erstmals umfassend nachgewiesen werden, wie sehr bereits das frühe deutsche Residenzschloss zwischen 1470 und 1618 in seiner architektonischen Gestalt als "Bild des Fürsten" verstanden wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2006
Olaf B. Rader begrüßt Matthias Müllers "interessanten" Band über die politische Bedeutung der Architektur von Fürstenschlössern. Der Kunsthistoriker hat die Beweggründe für den Bau oder die Modifikation solcher Schlösser untersucht. Der Autor kommt dabei zu "überraschenden Ergebnissen", wie Rader zufrieden feststellt, der diese im Folgenden ausführlich und anhand diverser Beispiele vorstellt. Das Beharren auf Türmen zum Beispiel sieht Müller nicht nur als "Rechtssymbol", sondern auch als "Lehenssymbol", informiert Rader im Vertrauen auf die historische Bildung seiner Leser. Wer sich für dieses Thema interessiere, werde in diesem Buch jedenfalls auf "kompetente und zum Nachdenken anregende Erklärungen" stoßen, schließt der Rezensent.
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