Wie wird ein Jugendlicher zum "Problemfall"? Wie ertragen wir, was uns angetan wird? Envie, ein Vorort von Brüssel, in den 1970er Jahren. In einer Zeit, die im Rückblick vielleicht als schöne Jugend voller Freiheit und Spaß in der Natur verklärt wird, wachsen die Brüder Iason und Vincent Fournier als Söhne vielbeschäftigter Unternehmer-Eltern eher vernachlässigt auf. Ihre jugendliche Energie ist nicht immer kanalisiert, ihre Wahrnehmung nicht immer konform mit den Interessen der Erwachsenen. Besonders Iason erregt Anstoß und wird, den modernen Therapien der Zeit entsprechend, medikamentös behandelt - mit wenig Erfolg. Freundinnen und Freunde haben sie trotzdem viele, in den fast dörflichen Strukturen sind sie eine fast schon verschworene Gemeinschaft, von den Älteren misstrauisch beäugt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2020
Thomas Wörtche schätzt das demokratische Verständnis des Krimis, das Matthias Wittekindt mit seinem Roman an den Tag legt, wie er findet. Der auf Ästhetik, statt auf ein Thema, auf Zweifel, statt auf Auflösung setzende Text bleibt Wörtche nichts schuldig, auch wenn er nicht das herkömmliche "Fall/Aufklärungsschema" bedient und die beiden Todesfälle im Text eher "subkutan" präsent sind. Obenhin erzählt der Autor laut Wörtche die Geschichte zweier ungleicher Brüder und vom soziologischen Wandel in einem belgischen Dorf, klug und antiautoritär.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.04.2020
Rezensentin Silvia Staude schätzt die Romane des Architekten und Autors Matthias Wittekindt, auch wenn sie sie nicht unbedingt als Krimis liest. Wittekindt erzählt die Coming-of-Age-Geschichte zweier Teenager im Belgien der siebziger Jahre: Die beiden Brüder Iason und Vincent wachsen als Söhne einer Pralinenfabrikantin auf, ihre Jugend verläuft offenbar etwas heillos. So viel erfahren wir von Staude, darüber hinaus hält sie sich bedeckt, was den fatalen Verlauf der Entwicklung betrifft, empfiehlt aber den Roman als nuanciert, komplex - und spannend.
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