Aus dem Französischen von Hans Thill. Wer nach oben will, muss vor allem die richtigen Fähigkeiten haben: Er muss sich verstellen können, die Interessen und Schwächen seiner Mitmenschen richtig einschätzen und ausnutzen, Helfer und Beschützer mobilisieren und im geeigneten Moment das Lager wechseln können. Zeitlos beschreibt Maurice Joly in diesem Buch den Weg zu Ruhm und Macht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2001
Scharfsinnig und bitter, schreibt Martin Ebel, wirke das "Handbuch des Aufsteigers" des Franzosen Maurice Joly aus dem Jahre 1867 auch heute noch. Das Buch, das erstmals auf deutsch erscheint, lese sich nicht nur überraschend aktuell. Es weise auch hohe stilistische Qualität, prophetische Fähigkeiten und ein gerütteltes Maß Witz auf. Joly hält seinen Zeitgenossen - und auch uns Heutigen - einen schonungs- und mitleidlosen Spiegel vor, indem er eine Gesellschaft vorführt, in der einzig der Erfolg zählt, freut sich Ebel. Er beschreibe exakt, wie in einem politisch egalitären System gerade nicht die fähigsten, sondern die intrigantesten, anpassungsfähigsten und verlogensten Köpfe Karriere machten. Für uns Heutige am vergnüglichsten, so der Rezensent, sind die Passagen über Presse und Öffentlichkeit. Joly stelle hier eine "außerordentliche Sucht nach Bekanntheit" fest. Und, das darf nicht fehlen: "Ein gewisser Kritiker wird wie ein Gott verehrt." Lesenswert findet Ebel aber auch die Teile, die den Literaturbetrieb behandeln. Joly, der zu Zeit der Entstehung seiner "Aufsteiger" als erfolgloser Schreiber im Gefängnis saß, bringe hier viel Insiderwissen ein.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.03.2001
Wer sollte glauben, dass das Standardwerk in Sachen "Wichtigkeitsonanie", das Rezensent Christian Schüle hier begeistert anpreist und sowohl als "Grundlagentheorie" für das Privatfernsehen als auch als passenden "Leitfaden ... zum heutigen Celebrity-Zeitgeist" empfiehlt, bereits 1867 geschrieben wurde. Nach dieser fulminanten Rezension wissen wir es nun endlich und können die Freuden des Rezensenten nachvollziehen, die er bei der Lektüre hatte, wenn der Autor "die Laufbahn der Eitelkeit, die kalkulierten Kabalen jener `dicken, fetten`, von grundlosem Ruhm sich nährenden Parvenüs" mit "ätzender Bewunderung seziert". Bei aller Hochschätzung findet der Rezensent jedoch noch ein paar warnende oder, wie man es nimmt, auch tröstende Worte zum Schluss: Zum Erlernen dieser Kunst, die dem Leser über sich wiederholende Leitsätze nach Aussage des Rezensenten manchmal fast bis zum Überdruss eingebläut wird, bedarf es aber auch eines hohen Maßes an `Beschränktheit, Plattheit, Unredlichkeit und Unfähigkeit`, wie der Rezensent abschließend den Autor zitiert. Nun wissen wir auch das endlich!
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