Bitte nicht ins Buch kritzeln!
Von Lehrmitteln und Lernwegen

Lehrmittelverlag Zürich, Zürich 2026
ISBN
9783037139721
Gebunden, 108 Seiten, 16,00
EUR
Klappentext
Der Fund ist eine Sensation: Fast hundert Jahre nach seiner Niederschrift ist der Maturaufsatz von Max Frisch aufgetaucht. Sein Thema: "Licht- und Schattenseiten der modernen Technik". Hier wird der Text erstmals abgedruckt und vom Frisch-Stiftungspräsidenten Thomas Strässle eingeordnet. Außerdem diskutieren heutige Maturanden über den Aufsatz von 1930. In einem anderen Kapitel erinnern sich an ihre Lehrmittel und ihre Schulzeit Charles Lewinsky, Michael Elsener, Peter Stamm, Lorenz (Lo) Häberli, Knackeboul, Ruedi Widmer, Martina Hügi, Martina Wyler, Röbi Koller und andere. Der Schüler Richard Böhm träumt vom Lehrmittel der Zukunft. Der Kabarettist Dominic Deville unterhält sich mit Kindern über Lehrmittel. Mit einem Quiz kann man seine Fachkompetenz Durchsetzungsstärke testen. Und ein Lehrmittelblues besingt das Gewicht von Lehrmitteln. Anlass der Publikation ist der 175. Geburtstag des Lehrmittelverlags Zürich. "Wir feiern Lernen!"
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 14.04.2026
Eher amüsiert als ernsthaft angetan bespricht Rezensent Marc Reichwein diesen von Dirk Vaihinger herausgegebenen Band, der Max Frischs Abitur-, beziehungsweise, wie es in der Schweiz heißt, Maturaaufsatz veröffentlicht und kontextualisiert. Frisch beschäftigt sich in diesem Text mit den Licht- und Schattenseiten der Technik, wobei die Schattenseiten deutlich überwiegen, schafft die Technik der Menschheit laut Frisch doch vor allem allerlei Probleme, darunter gar "Sexualprobleme". Etwas arg selbstbewusst und nicht gerade stringent ist das alles heruntergeschrieben, findet Reichwein, der der Ansicht ist, dass die Arbeit damals mit der - auf die deutsche Skala umgerechneten - Note 2-3, die Frisch für seinen Erguss erhalten hat, eher zu freundlich bewertet wurde. Über die weiteren Inhalte des Buches Vaihingers erfahren wir nicht viel von Reichwein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2026
Der hier mit "apl" zeichnende Rezensent entdeckt in der von Dirk Vaihinger herausgegebenen Jubiläumsschrift zum 175. Geburtstag des Lehrmittelverlags Zürich einen Schatz, wenngleich einen nicht sonderlich wertvollen, wie er gleich einräumt. Max Frischs Abituraufsatz über Licht und Schattenseiten der Technik haut ihn inhaltlich nicht um. Und auch stilistisch ist für ihn nichts vom späteren Schriftsteller zu erahnen. Orthografisch sticht Frisch immerhin hervor, so der Kritiker. Am interessantesten ist noch Thomas Strässles Einordnung des Textes im Band, findet der Rezensent etwas gelangweilt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.02.2026
Rezensentin Judith von Sternburg nimmt sich den von Bernd Vaihinger herausgegebenen Band zum Jubiläum des Zürcher Lehrmittelverlags vor. Drinnen entdeckt sie Wissenswertes über das Schweizer Schulsystem und einen kleinen Schatz, nämlich den Matura-Deutschaufsatz des jungen Max Frisch! Thema: Mensch und Technik, wie sollte es anders sein. Allerdings zeigt sich der junge Autor eher fortschrittspessimistisch, staunt Sternburg. Was denn der Mensch mit all der durch die Technik ermöglichten Zeit anfangen soll? Denken und daran verzweifeln etwa? Sogar Eheprobleme sieht der Naseweiß schon wuchern. Ganz schön altklug, findet Sternburg und beteuert, dass der spätere Frisch ja zum Glück viel weniger konservativ war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2026
Einen "wertkonservativen, kulturpessimistischen Mann" spricht laut Rezensent Rico Bandle aus dem Abituraufsatz des jungen Max Frisch, den er als Schüler des Realgymnasiums Rämibühl in Zürich verfasste. Eine "kleine literaturgeschichtliche Sensation" liegt hier jedenfalls schon vor, zitiert der Kritiker den Literaturwissenschaftler Thomas Strässle, denn das hier ist wohl das älteste, überlieferte Dokument von Max Frisch. Der modernen Technik widmet sich der junge Frisch in seinem Text und die kommt bei ihm nicht gut weg: Wenn technische Hilfsmittel die Arbeit abnehmen, hat man zu viel Zeit zum Denken, konstatiert er, und das habe fatale Auswirkungen. Nicht nur zu körperlichen als auch zu moralischen Verfall führt das Nichtstun, erklärt Frisch, außerdem auch zu "geschlechtlichen Excessen". Frisch wurde mit zunehmendem Alter natürlich progressiver, gibt Bandle zu Bedenken, überraschend kommt diese wertkonservative Haltung für den Kritiker nicht, der in diesem Zusammenhang an die "patriotische, militärfreundliche Einstellung" erinnert, die Frisch vor und während des Zweiten Weltkriegs an den Tag legte. In jedem Fall eine interessante Veröffentlichung, die vieles über den jungen Frisch verrät, so das Resümee.