Max Goldt

Wenn man einen weißen Anzug anhat

Ein Tagebuch-Buch
Cover: Wenn man einen weißen Anzug anhat
Rowohlt Verlag, Reinbek 2002
ISBN 9783498024932
Gebunden, 208 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Das neue Buch von Max Goldt ist so neu wie noch kein Buch von Max Goldt zuvor: Unvorabgedruckt nämlich und der Form nach, anders als sonst, nicht eine Sammlung von Kolumnen oder Essays, Grotesken, Scherzi oder Betrachtungen, sondern ein Tagebuch. Es beginnt im September 2001 und zieht sich noch ein Weilchen ins Jahr 2002 hinein, wobei der Autor die Gelegenheit ergreift, über alles zu berichten, was sein Leben und seinen Alltag ausmacht: Kommentarwichsmaschinen, Funken von Restanstand, Eugenie Marlitt, jene talentvolle Autorin "zaghaft frauenemanzipatorischer Gesellschaftsromane des 19. Jahrhunderts".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2002

Etwas zwiespältig bewertet Wolfgang Schneider die neuen Geschichten von Max Goldt. Der sonnt sich seit einiger Zeit in den Höhen der "feuilletonistischen Leitkultur", was sich leider, meint der Rezensent, in Goldts neuem Werk niederschlägt. Eine gewisse "Selbstbezogenheit" haben Goldts Texte zwar schon immer ausgezeichnet, findet Schneider, aber hier sei dieser Zug zu einer "Lust an der Selbstkommentierung" gediehen. Da bleibt der Humor doch oft auf der Strecke und leider, bedauert der Rezensent, hat Goldt auch noch einen "Lesereisen-Report" beigefügt - ein Genre, das Schneider für "die entbehrlichste aller Textsorten" hält. Gelungen sind Goldt allerdings, lenkt der Rezensent in seiner Kritik doch noch ein, ein Umzugsbericht , Betrachtungen und Beobachtungen über den 11. September und hier und da aufflackernde "weltaufschließende Pointen" - damit verwöhnt Goldt den Leser allerdings wesentlich "spärlicher" als in seinen früheren Bänden, seufzt Schneider.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Harald Fricke ist sehr angetan von diesem neuen Buch von Max Goldt, das hauptsächlich ein Tagebuch "auf Augenhöhe mit den tägliche Banalitäten" ist, angereichert mit ein paar anekdotischen Einsprengseln. Goldt schafft es nach Fricke, in dieser Form Themen zu bearbeiten, die in einem anderen Genre nicht funktionieren würden, sondern "als moralische Selbstvergewisserung unerträglich wären". Mit Sympathie beobachtet der Rezensent Goldts Leiden am politischen und gesellschaftlichen Alltag - er sei "ein großer Schreiber, dem nichts gleichgültig ist, nur selbstverständlich fremd". Zustimmend konstatiert Fricke auch, dass Goldt die Skurrilität und den Witz, die ihn bekannt gemacht haben, "mittlerweile vorsichtig dosiert", damit keine "Modemasche" daraus wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Hier wünscht sich Walter van Rossum, ein "berühmter Kritiker zu sein, dessen bescheidenste Meinungsrülpserei sogleich eine allgemeine Buchhandlungsbelagerung herbeiführe", so wunderbar findet er dieses Buch, das "aus einem weiträumigen Umfahren aller Großdiskursbaustellen" besteht. Aber was sind nun die Kleindiskurse, die wir stattdessen bekommen? Weil das "Tagebuch-Buch" im September 2001 beginnt, ist es damit beschäftigt, so van Rossum, sich möglichst mit Nichtigkeiten zu befassen und nicht auch noch in das allgemeine Salbadern über die Weltgeschichte einzustimmen. "Eine Art selbstgebastelte firewall gegen die massenmediale Kodierung" rühmt Van Rossum. Aber noch einmal: aus welchen Elementen besteht dieser Feuerschutz? Irgendwie macht uns die Besprechung da nicht schlauer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2002

Max Goldt schreibt zwar ein Tagebuch, in dem er sein Leben und seinen Alltag beobachtet, aber man kann, so Ijoma Mangold, nicht erwarten, Intimeres über den Autor zu erfahren. In Wahrheit handle es sich um "ein Benimmbuch, in dem Benimm und Erkenntnis sich gegenseitig steigern", so Mangold. Goldts Pedanterien und sein bissiger Ton eröffnen dabei für Mangold einen Blick auf die "gedanklichen und sprachlichen Fahrlässigkeiten der Welt" zu. Bei Goldt ist demnach das scheinbar Persönliche immer auch das Allgemeine. Wie eigenwillig die Ansichten Goldts auch sein mögen, meint Goldt, der Leser wird sich ihrer Logik kaum entziehen können, und sie ließen sich "ohne weiteres zur Regel eines allgemeinen Wohlverhaltens" hochrechnen. Der Witz des Textes zeichnet sich dadurch aus, so ist zu lesen, dass er nichts anderes ist als "die Kehrseite des Ernstes". Wenn der Rezensent auf Goldts Position als ehemaligen Vorreiter der politischen Inkorrektheit hinweist, vernimmt er heute einen ausgeglicheneren Ton. "Strenge und Wärme sind die Pole, zwischen denen sich Goldt in diesem Buch sehr charmant situiert." Das Buch sei nicht übermäßig liberal, komme dafür aber "umso zarter daher". Goldts Ideal, so Mangold, ist das Zarte.
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