Matthias Nawrat ist ein Kenner der Literaturen und Landschaften des östlichen Europas. In seinem Band "Über allem ein weiter Himmel" finden Reisetagebuch und autobiografischer Essay zu einer neuen Verbindung. Der Reisende sammelt Ansichten und Einsichten, erzählt von Begegnungen, zeichnet Porträts von Städten, Menschen und Erfahrungswelten. Er führt uns unter anderem ins polnische Opole, von wo seine Familie in den 1980er-Jahren emigrierte, zur Danziger Werft als dem Ursprungsort der Solidarność-Revolution, nach Warschau und Masuren, nach Budapest und ins rumänische Hinterland, ins mazedonische Skopje und nach Slowenien, nach Minsk und bis hinter den Ural. Kurz: in die Zentren und an die Ränder des postkommunistischen Raums.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2024
Rezensentin Lerke von Saalfeld lässt sich von Matthias Nawrat gerne auf eine Reise durch Mittel- und Osteuropa entführen. Der polnische Schriftsteller begegnet im Zeitraum von 2013 bis 2022 Menschen, deren Denken immer noch um den Zerfall der Sowjetunion kreist und die ganz eigene Ideen von Europa entwickelt haben, so Saalfeld. Dabei betont Nawrat, so die Kritikerin, "ohne jede Aufgeregtheit" die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Lebensrealitäten in Ost und West, wirbt aber im gleichen Zug für ein besseres Verständnis beider Seiten. Der Kritikerin imponiert außerdem, dass sich Nawrat seiner privilegierten Stellung als vom Goethe-Institut bezahlter Autor, der zuweilen osteuropäische Talente ins westeuropäische Ausland lockt, bewusst ist und dies reflektiert. Doch das Buch plädiert für ein Europa, in dem sich die verschiedenen Seiten zuhören und dadurch besser verstehen können, schließt die glückliche Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.03.2024
Juliane Lieberts Kritik liest sich fast wie eine Hommage auf Matthias Nawrat, diesen Schriftsteller, der sich sozusagen unauffällig im Raum der deutschen Literatur bewegt und den sie als einen unprätenziösen, stilistisch keineswegs glatten, aber immer präzisen Beobachter beschreibt. Dies gelte bereits für seine Romane, die zwischen dem Dokumentarischen und dem Fiktiven schwebten und erst recht für die vorliegenden Reisetagebücher, die es zuweilen schafften, die Welt durch "schiere Benennung der Sachverhalte" zum Schwingen zu bringen. Nawrats Perspektive ist dabei laut Rezensentin auf angenehme Weise aus unserem vom Westen geprägten Blick entrückt: Europa erstreckt sich für ihn von Sibirien bis an den Jordan und hofft darauf, von Nawrat beschrieben zu werden.
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