Die Lebenswege des Schriftstellers Ahmad Katlesh und der Journalistin Vanessa Vu sind geprägt, aber nicht bestimmt von Kriegen, Flucht und Migration. Katlesh floh aus Syrien und lebte mehrere Jahre in Jordanien, bevor er 2017 nach Deutschland kam. Vu ist in Deutschland geboren und lebte die ersten Jahre in einem Asylbewerberheim in Niederbayern, ihre Eltern kamen aus Vietnam. Im Tanz lernten beide sich kennen, in den darauffolgenden E-Mails näherten sie sich einander an. Sie entdecken trotz unterschiedlicher Migrationsbiografien parallele Erfahrungen, schlagen Brücken entlang verblasster und fehlender Erinnerungen, schreiben über Gefühle, Sehnsüchte und Absurditäten in unterschiedlichen Einwanderergenerationen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2024
Vanessa Vu und Ahmad Katlesh ist "hier ein außergewöhnliches", persönliches Buch über Migration gelungen, findet Rezensent Saladin Salem. Über zwei Jahre hinweg haben sich die Journalistin und der Schriftsteller, die nun ein Paar sind, per Mail über ihre Biographien und das Thema Heimat ausgetauscht, nun ist dieser digitale Briefwechsel bei Rowohlt erschienen. Die beiden sind sich, so Salem, nicht immer einig und verhandeln auch die Unterschiede zwischen ihren Hintergründen: Salem musste 2013 aus Syrien fliehen und kam 2017 mit einem Literaturstipendium nach Deutschland, Vu kommt aus einer vietnamesischen Familie und wurde im bayerischen Eggenfelden geboren. Beide, resümiert der Rezensent, haben Rassismus erlebt; die im Buch geschilderte politische Stimmung sei düster. Gerade weil die Autoren das häufig wenig differenziert diskutierte Thema Migration persönlich und mit Nuancen betrachten, hält Salem es für einen wichtigen und zeitgemäßen Beitrag.
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