Aus dem Amerikanischen von Ruth Krügel Herrera und Gio Waeckerlin Induni. Im Januar 1891 verwirklicht die von Wissensdurst beseelte Amerikanerin May Sheldon ihren langgehegten Plan: Als erste Frau der Welt bereist sie mit einer Karawane aus Einheimischen eines der unruhigsten Gebiete Ostafrikas. Den Fußmarsch durch unwegsames Gelände von Mombasa zu den Ausläufern des Kilimandscharo begleitet die ständige Angst, dass Massai-Krieger die Karawane überfallen könnten. Die erste Begegnung mit ihnen verläuft jedoch anders als erwartet: Die Massai erweisen der weißen Frau großen Respekt und geben ihr den Namen "Bebe Bwana", was soviel heißt wie "Frau Anführer". Unvoreingenommen gegenüber den Einheimischen und ihrer Kultur, zielstrebig und reichlich extravagant, reiste die Großnichte von Isaac Newton mit dem Ehrgeiz, wissenschaftlich bedeutsame Informationen mit nach Hause zu bringen. May Sheldons Reisebeschreibungen wirken auch heute noch atemberaubend ungewöhnlich und ansteckend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2007
May Sheldon habe nicht nur ein Schwert zu öffentlichen Anlässen getragen, die Frau konnte auch schießen, berichtet der rundherum beeindruckte Rezensent Georg Süterlin. Als weitere Qualitäten der Hobbyethnologin mit Königinnenentourage nennt Süterlin eine genaue Beobachtungsgabe und nicht zuletzt ihre Fähigkeit, Natur- und Menschenschilderungen gleichermaßen ohne "viel Aufhebens" aufzuschreiben. Als besonderen Glanzpunkt vermerkt der Rezensent Sheldons Berichte aus einem Sultansharem. Trotz einiger "unorthodoxer" Meinungen zur Gewaltanwendung und zum Unterricht in den Missionsschulen habe Sheldon, schränkt der Rezensent seine Bewunderung ein, letztlich doch zur Spezies der weißen Entdecker gehört, da sie von der Überlegenheit der weißen Zivilisation überzeugt gewesen sei. Ihr eigentliches Ziel, gleichsam unschuldige, sozusagen vorzivilisatorische Eingeborene kennen zu lernen, habe May Sheldon nicht erreicht, zu viele Expeditionen hätten schon ihre Abfallberge hinterlassen.
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