Meret Oppenheim

Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich

Gedichte, Prosa, mit einer Audio-CD
Cover: Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413463
Gebunden, 170 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christiane Meyer-Thoss. Seit ihren surrealistischen Anfängen in Paris mit Andre Breton, Marcel Duchamp und Max Ernst entwickelte sich Meret Oppenheim (1913-1985) zu einer völlig unvergleichlichen, eigenständigen Künstlerin. Ihre Gedichte gehören wie ihre Bilder zum Erbe des eben vergangenen Jahrhunderts. Der mit Bildern versehene Band enthält die veröffentlichten sowie zehn bisher unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlass, dazu eine Reihe von Texten Meret Oppenheims, die ihre Welt und die Umgebung ihrer Gedichte beleuchten und erklären: die Vorlage für ein Filmdrehbuch über Kaspar Hauser, Oppenheims Beschreibung ihres "Nachtessens auf einer nackten Frau" sowie ein Gespräch mit der Herausgeberin über die Freundschaft zwischen Bettine von Arnim und Karoline von Günderode.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2003

Als Hommage an die eigenwillige Künstlerin liest sich Burkhard Müllers Rezension des angezeigten Bandes. Meret Oppenheim ist seiner Meinung nach die "leichteste" und die verspielteste im Kreis der Surrealisten gewesen - so leicht, dass "ihr Werk zu verwehen droht", befürchtet Müller. Zur Bestätigung zieht er einen Bericht der Künstlerin heran, der im vorliegenden Band abgedruckt ist: der Bericht von einem gemeinschaftlichen Frühlingsmahl auf einer nackten Frau. Offenbar hat Breton Oppenheim diese Idee geneidet und darum gebeten, das Mahl wiederholen zu dürfen. Der übermütige Einfall verwandelte sich in "bombastischen Kitsch", schreibt Müller. Im Zentrum des von Christiane Meyer-Thoss zusammengestellten Bandes steht die Lyrik Oppenheims, die von ihrer fortgesetzten Tätigkeit als "Treibgut"-Sammlerin zeugt, wie Müller schreibt, bei aller Widersprüchlichkeit und Leichtigkeit jedoch auch von Ernst und ausgeprägtem Rhythmusgefühl geprägt sei. Manche Verse klingen in Müllers Ohren schon fast französisch. Daneben steht eine kleine Auswahl von Abbildungen ihrer Kunstwerke, teilt Müller mit, ein Filmskript und ein Gespräch mit der Herausgeberin, die außerdem ein intelligentes liebevolles Nachwort beigesteuert habe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2002

Eine "schöne" Ausgabe, die auch bisher unbekannte Gedichte Meret Oppenheims enthält, freut sich Beatrice von Matt, die in ihrer ausführlichen Besprechung auch Oppenheims künstlerische Techniken beschreibt. Nicht der Inhalt zählt bei diesen Gedichten, sondern die Form. Oppenheim arbeite mit "Kontrasten, verblüffenden Verbindungen, mit Steg- und Binnenreimen, seltenen Endreimen, vor allem aber mit genauesten rhythmischen Maßnahmen", erklärt Matt bewundernd. So habe die Dichterin und Malerin den "Halluzinationen des Selbstzweifels" eine "kosmische Ordnung" entgegengestellt. Die inhaltliche Absurdität wiederum dürfe man nicht als "Willkür" missverstehen. Für Oppenheim, die Matt mit dem Dada-Dichter Hans Arp vergleicht, wirkte die "künstlerische Einbildungskraft ähnlich wie die Natur". Lyrische Einfälle verwandeln die Welt wie eben die Natur es tut. Wenn "der Granit weichgekocht" wird oder sich "der schönste Vokal husch husch entleert", sind das für Matt "biomorphe Abstraktionen", die eine neue Weltsicht ermöglichen.
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