Aus dem Spanischen von Marianne Gareis. Sie haben sich viele Jahre nicht gesehen. Kein Wort miteinander gewechselt. Nun treffen sie wieder aufeinander, in dem windschiefen, alten Haus, das ihrer Familie gehört. Drei Frauen, drei Generationen, die bislang nur das Schweigen miteinander verbindet. Adirane hat Mann und Kind in Madrid zurückgelassen, um ihr Leben neu zu ordnen. In dem Fischerdorf an der stürmischen baskischen Küste ist sie aufgewachsen. Allein großgezogen von ihrer Mutter Adriana, einer verschlossenen Frau, die aus gutem Grund nicht über die Vergangenheit sprechen will. Und dann ist da noch Ruth, die Großmutter, die krank und altersschwach das über allem lastende Schweigen schließlich bricht und zu erzählen beginnt. Von ihrer eigenen Kindheit, als sie während des Spanischen Bürgerkriegs nach Belgien fliehen musste. Und von dem Tag ihrer Rückkehr, als ihre Familie nicht mehr dieselbe war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.07.2024
Rezensent Dominik Bloedner liest Aroa Moreno Durans Roman über alte Schuld, Lügen und Angst unter Bewohnern einer baskischen Hafenstadt mit Spannung. Durans zweiter Roman, semifiktional, wie Bloedner anmerkt, dreht sich um Entwurzelung und Traumata. Geschichtlicher Hintergrund ist der Spanische Bürgerkrieg, aber auch der Terror der ETA und die Folgen für die Menschen, die von einer Krise in die nächste fliehen, erläutert der Rezensent. Ein sprachlich "feinsinniges" Buch, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2024
Rezensent Joseph Oehrlein kann "Ruths Geheimnis", dem zweiten Roman von Aroa Moreno Durán, viel abgewinnen. Darin widmet sich die spanische Journalistin und Autorin der Vergangenheitsbewältigung, nämlich den Jahren des Spanischen Bürgerkriegs im Baskenland. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive dreier Frauen: Adiranes, die ins Haus ihrer baskischen Vorfahren zurückkehrt, ihrer Mutter Adriana und ihrer Großmutter Ruth, die auf Nachfragen ihrer Enkeltochter ihre Erinnerungen an den Krieg und den unaufgeklärten Tod ihres Bruders Matías schildert. Vieles bleibt dabei Oehrlein zufolge rätselhaft, das Buch vermittelt ihm so die dunkle und trostlose Stimmung der damaligen Zeit. Besonders beeindruckt zeigt sich der Rezensent von Duráns sachlich-kühler und zugleich stellenweise poetischer Sprache sowie der sorgfältigen Recherche, die dem Roman zugrunde liege.
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