Michael Althen

Warte, bis es dunkel ist

Eine Liebeserklärung ans Kino
Cover: Warte, bis es dunkel ist
Karl Blessing Verlag, München 2002
ISBN 9783896671943
Gebunden, 256 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Was stellen wir eigentlich mit all den Geschichten an, denen wir im Laufe des Lebens im Kino begegnen - und vor allem: Was stellen sie mit uns an? Wie intensiv schaut man sich Filme an, um dort praktische Anleitungen zu finden, wie man sich zu kleiden und zu frisieren hat, wie man sich bewegen soll. Immer gab es Augenblicke, die dem identifikationssüchtigen Zuschauer zeigten, dass er so sein wollte wie die da oben: dieselben Cowboystiefel wie Clint Eastwood, dieselbe Lederjacke wie Tom Cruise, dasselbe Auto wie James Bond, zumindest aber den Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. In Filmen haben wir die Frauen geliebt, denen wir nie begegnet sind, haben Drogen genommen, mit denen wir in Wirklichkeit nie in Berührung gekommen sind. Wir haben das Kino für unser Leben gehalten und aus dem Alltag einen Film gemacht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.01.2003

Zunächst einmal klärt der Rezensent Manfred Hermes auf, dass es sich bei Michael Althens Buch nicht um eine Sammlung von Filmkritiken handele, sondern vielmehr um "Beobachtungen, Informationen und Anekdoten", zusammengetragene "Materialien" zu einer als "Medienautobiografie" gedachten "Liebeserklärung ans Kino". Von Liebeserklärung allerdings kann bei Hermes' Besprechung nicht die Rede sein. Althen gebe sich einer "Inflation des Emotionalen" hin, und verschenke sich in "überdimensionalen Begriffen", in permanenter "Magie, Faszination, Schönheit und Liebe", und deren etwas "handfestere" Kehrseite. Na ja, das Eine eben, was Hermes herrlich auf den Punkt bringt: "die berühmten schönen Dinge, die schönen Frauen oder Teile von ihnen tun". Nicht genug damit, Hermes bezichtigt Althen der unreflektierten "Schreibroutine", deren "Autopilot" durch "dauernde Wirs, Unseres und Mans" unzählige Verallgemeinerungen hervorbringe, was ein Orten der Diskurse unmöglich mache. Unreflektiert, so Hermes, sei auch Althens autobiografischer Ansatz. Seine "Selbstbeschreibungen" wirkten durch häufige Passivwendungen geradezu "gespenstisch". Die Sprache sei "eigenartig verrenkt", in einer nicht hinterfragten Mischung von unvereinbaren "Ansprüchen und Haltungen". In Sachen "Subjektivismus und Filmkritik", so Hermes' Fazit, sei man mit Serge Daney wesentlich besser bedient.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2002

Der 40-Jährige Filmkritiker Michael Althen beschreibt in seiner "Liebeserklärung an das Kino", wie er darin zum Kritiker heranwuchs und noch bis zum heutigen Tag das Kino zu seiner Passion erklärt, berichtet Julian Hanich. Diese "Coming-of-Age-Geschichte" sei ein schönes und gelungenes Porträt des Autors von seiner Jugend bis heute, das eine beachtliche Tiefe aufweise, lobt der Rezensent. Viele Passagen des Bandes seien zwar schon einmal in der Süddeutschen Zeitung und in der Zeitschrift Steadycam erschienen, aber die Texte des "Fabulierers", "Schwärmers" und "Träumers" Althen könne man getrost mehrmals lesen, findet Hanich, gerade wenn es dem Autor gelinge, "sprachlich auf Glatzen eine Dauerwelle zu zaubern" und er die "Verwandlungskraft" des Kinos beschwöre. Dem Leser empfiehlt der Rezensent, parallel zu Althens Feature über das Kino das zeitgleich erschienene Buch "Kino. Kleine Philosophie der Passionen" von Willi Winkler zu lesen. Denn beide Autoren seien dem "Mysterium Kino" in einer schon geradezu "unheimlichen Seelenverwandschaft" auf den Grund gegangen, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2002

Michael Althens gnadenlose Bewunderung für die Kinoleinwand und ihre Stars ist nicht Jedermanns Sache, warnt Frank Böckelmann. Entweder man sei dabei oder nicht, und er selbst sei zwar dabei, gesteht der Rezensent, empfände es allerdings als beinahe kränkend, ständig darauf verwiesen zu werden, dass "die eigene verklärte Jugend im Leerlauf" verstrichen sei. Nur der Kinogeher, nicht der Fernsehzuschauer lasse sich auf Abenteuer ein, referiert Böckelmann. Althens Leidenschaft gelte nicht nur bestimmten Filmemachern und ihren Orten sowie Schauspielern, sondern auch den Kinosälen, in denen sich die Kinoerlebnisse abspielten, die im nachhinein wie reale Begebenheiten wirken. Es fehlt nicht viel, spottet der Rezensent, und das Kino liefe bei Althen "dem konturenlosen Alltagsbetrieb auch noch den Realitätsrang ab". Das Verhältnis von Alltagserlebnissen und Filmhandlungen stellt insofern ein Dauerthema des Buches dar, sagt Böckelmann. Zwar setze Althen Film und Leben nicht wirklich gleich, doch funktioniere gerade die Illusionsmaschine Kino laut Althen nach streng realistischen Maßstäben: "es spiegelt zurück, was wir gerne wären".

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