"Europa" spielte im hohen Mittelalter als Begriff, als geographische oder historische Einheit oder gar als Wertegemeinschaft keine Rolle. So konnte Europa natürlich nicht "gemacht", also geplant und absichtsvoll geformt werden; allenfalls konnten aus kleinen Lebenskreisen größere entstehen, die sich womöglich mit anderen überschnitten und so die Zusammenhänge weiter ausdehnten, in denen der Einzelne stand. In diesen Spannungen begann Europa zusammen zuwachsen, ohne dass es jemand bewusst werden konnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2003
Dirk Schümer gerät angesichts dieses Buches schier ins Schwärmen - das sich vor allem in größtem Lob für den Autor ausdrückt. Der Rezensent nennt ihn einen "staunenswert gebildeten Europa-Historiker". Aus der "souveränen Gipfelperspektive" lasse Michael Borgolte "die Einäugigkeit" herkömmlicher Nationalgeschichten "mit Leichtigkeit hinter sich". Vor allem aber gehöre Borgolte, lobt Schümer, zu "einer neuen Historikergeneration", die - "in Kenntnis der französischen Mentalitätsgeschichte, britischer Regionalhistorie, jüdischer und muslimischer Geistesgeschichte und gemeinsamer Technikhistorie" - das europäische Mittelalter "als Schmelztiegel von Ideen und Methoden ernst nimmt". Rühmlich findet der Rezensent schon alleine das ganze Projekt, zu dem Borgolte mit diesem Buch den dritten Band beigesteuert hat: Dass der Eugen Ulmer Verlag "das Konzept der Nationalhistorien" aufgegeben und stattdessen "auf höchstem wissenschaftlichen Niveau" nun ein zehnbändiges "Handbuch der Geschichte Europas" konzipiert habe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.04.2003
Christian Jostmann ist voll des Lobes: eine überaus gelungene, klare und einsichtsvolle Studie, die - als dritter Teil eines zehnbändigen "Handbuchs der Geschichte Europas" erschienen - tatsächlich gelesen und nicht lediglich als Nachschlagewerk genutzt werden solle. Um den "Ursprung dessen, was wir Europa nennen", gehe es, und an selbigem residiere mehr als jeder andere Papst Gregor VII., der 1075 die Machtverhältnisse in Europa zugunsten des Vatikans wendete und so den Kontinent einigte - nicht als homogenes, harmonisches Gebilde, sondern als ein Widersprüche einschließendes Zwangssystem. Die auf die Gegenwart bezogene Schlussfolgerung des Autors Michael Borgolte: Man solle keine europäische Identitätspolitik betreiben, denn "das Wesen Europas liege gerade darin, nicht identisch mit sich zu sein".
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