Michael Chabon (Hg.), Ayelet Waldman (Hg.)

Oliven und Asche

Schriftstellerinnen und Schriftsteller berichten über die israelische Besatzung in Palästina
Cover: Oliven und Asche
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2017
ISBN 9783462049787
Gebunden, 560 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Die israelische Besatzungspolitik: International gefeierte Autorinnen und Autoren machen sich vor Ort ein Bild. Diese aufsehenerregende Anthologie vereint Essays, Reportagen und Kurzgeschichten von international gefeierten Autoren und bezeugt die Katastrophe, die die israelische Besatzungspolitik für das Westjordanland und Gaza bis heute bedeutet. Für 'Oliven und Asche' haben sich Michael Chabon und Ayelet Waldman, zwei der wichtigsten amerikanischen Schriftsteller unserer Zeit, mit der israelischen Organisation Breaking the Silence zusammengetan. Breaking the Silence wurde von ehemaligen israelischen Soldaten gegründet, die in den besetzten Gebieten gedient und Ungerechtigkeit direkt erlebt haben. Zusammen luden sie im letzten Jahr 26 international renommierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Eva Menasse, Dave Eggers, Colum McCann und Arnon Grünberg ein, sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage in den besetzten Gebieten zu machen. Entstanden sind eindrucksvolle, lebendige Geschichten und Reportagen, die uns den Alltag in Palästina erschreckend klar vor Augen treten lassen. Der Leser reist z.B. mit Rachel Kushner in ein palästinensisches Flüchtlingscamp mitten in Jerusalem, lernt mit Taiye Selasi etwas über die verbotene Liebe zwischen Israelis und Palästinensern oder lässt sich von Helon Habila die verblüffende Genese der Israelischen Sperranlage erzählen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2017

Rezensent Martin Zähriger erkennt schnell das Potential des von Waldman und Chabon ins Leben gerufenen Projektes, ein Potential allerdings das, verstehen wir ihn richtig, nicht ausgeschöpft wurde. Statt eines vielstimmigen, multiperspektivischen Lageberichts aus den von Israel besetzten Gebieten, den sich wie der Rezensent vermutet, die Herausgeber erhofft haben, liegt nun eine Reportage vor, die wie ein "moralischer Hammerschlag" wirkt, da die 26 prominenten Stimmen in diesem Band mehr oder weniger alle in das selbe Horn blasen, was durchaus nicht beabsichtigt war. Dieser Mangel macht das Buch jedoch nicht weniger lesenswert und wichtig, denn, dass die Autoren, darunter ausgesprochene Israel-Freunde und -Verteidiger, alle zu dem Schluss kommen, dass die Palästinenser am Rande ihrer Strapazierfähigkeit angelangt sind, und dass die Probleme und das Leid seit Jahren die gleichen sind, rüttelt den Leser auf und kann nur bedeuten, dass sich schleunigst etwas ändern muss, so der besorgte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2017

Rezensent Tobias Lehmkuhl plagt sein schlechtes Gewissen angesichts eines so leidenschaftlichen und so aufrüttelnden Journalismus wie in "Oliven und Asche". So wenig habe er bisher getan für die Welt, wird dem Rezensenten klar, insbesondere im Vergleich zu Aylet Waldman und Michael Chabon, die Organisatoren des Großprojektes, in dessen Rahmen 24 Schriftsteller wie Mario Vargas Llosa, Colm Tóibín und Rachel Kushner unbezahlt in die von Israel besetzten Gebiete reisten und dort erschütternde Erfahrungsberichte verfassten, die nun in dem vorliegenden Band versammelt sind. Doch seine Scham hält Lehmkuhl nicht davon ab, die Schwäche dieses Buches zu bennen, bzw. eigentlich ist es keine Schwäche, sondern ein Missverständnis. "Oliven und Asche" ist Journalismus von der feinsten Sorte und es ist eine umfangreiche "Anklageschrift", für Literatur jedoch fehlt dem Buch die nötige Zwiespältigkeit. Lehmkuhl hätte gerne auch Stimmen von der anderen Seite gehört.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.10.2017

Inge Günther trifft auf gemischte Gefühle und Gedanken zum Palästinakonflikt in dieser von Ayelet Waldman und Michael Chabon herausgegebenen Anthologie mit Reportagen und Essays. Dass die angestrebte Tiefenschärfe auf den Konflikt einen Sog entwickelt, wie Günther feststellt, gilt offenbar nicht für alle Texte. Die Realität der Teilung mit ihren Vorschriften zu dokumentieren, lässt etwa manche Texte spröde wirken, wie Günther einräumt. Spannend hingegen findet sie die im Band enthaltenen subjektiven Reportagen über Einzelschicksale von Rachel Kushner oder Eva Menasse. Eins steht für die Rezensentin fest: unparteiisch zu bleiben, fällt bei der Lektüre nicht leicht.

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