Tageszeitungen verfügen über kein valides Geschäftsmodell mehr. Und sie werden keines finden, so lange ihre Eigentümer den absurden Versuch unternehmen, im Netz so weiterzumachen, wie sie es auf Papier gelernt haben. Das Prinzip Zeitung kann nur weiterleben, wenn die Medienunternehmer aufhören, sich an die gedruckte Tageszeitung zu klammern. Ihr Versuch, sie nach den Regeln des skalenorientierten Industriekapitalismus am Leben zu erhalten, wird ihren Tod nur beschleunigen. Nach der Zeitung ist vor der Zeitung. Die Rede von der "Gutenberg-Parenthese" macht das deutlich. Was jetzt kommt, war schon da, bevor der Siegeszug des gedruckten Wortes begann: Das vielstimmige Gespräch von Menschen, die Interessantes zu erzählen haben, auf dem digitalen Marktplatz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.03.2014
Während sich mancherorts der vorsichtige Optimismus breit macht, die Zeitung werde das Internet und die Digitalisierung schon überleben, hat der österreichische Journalist Michael Fleischhacker lieber schon mal ihren Nachruf geschrieben, berichtet Arno Widmann. "Die Zeitung - Ein Nachruf" heißt das Buch dementsprechend, und wenn man sich an die Zahlen hält, die darin üppig vertreten sind, muss man dem Autor leider ein wenig Recht geben, meint der Rezensent, denn trotz der kleinen Gewinne, die manche Blätter noch erwirtschaften, gehen die Auflagen insgesamt zurück, genauso wie der Anteil am Werbeetat, verrät Widmann. Im "Zeitalter der massenhaften Maßanfertigung", wie es bei Fleischhacker heißt, ist das Modell des Universalmediums Zeitung, das alle Bedürfnisse ein bisschen befriedigt, langfristig nicht lebensfähig, erfährt der Rezensent.
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