Michael Ignatieff

Die Politik der Menschenrechte

Cover: Die Politik der Menschenrechte
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002
ISBN 9783434505273
Broschiert, 121 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ilse Utz. Menschenrechte sind vielleicht das einzige Vermächtnis, das uns ein grausames Jahrhundert der Kriege hinterlassen hat. Menschenrechte haben den Niedergang der großen Ideologien überlebt. Sie sind heute der kleinste gemeinsame Nenner internationaler Politik. Dass sie den einzelnen vor dem Zugriff des Kollektivs schützen, ist ihre größte Stärke und zugleich ihre größte Schwäche. Was aber bedeutet Menschenrechtspolitik? Es bedeutet, dass Forderungen zur Einhaltung der Menschenrechte selbst oft politischer Streitpunkt sind und Widerstände hervorrufen. Ignatieff analysiert wie kein anderer die Widersprüche moderner Menschenrechtspolitik im Spannungsfeld von Nationalismus, Demokratie und Globalisierung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2003

Michael Ignatieffs "Politik der Menschenrechte" verdient nach Ansicht von Rezensent Stefan-Ludwig Hoffmann eine breite Leserschaft. Das Hauptproblem einer erfolgreichen Menschenrechtspolitik sehe Ignatieff darin, dass ihre Verfechter über das Ziel hinausschössen: während etwa Étienne Balibar in seinem Buch "Sind wir Bürger Europas?" Menschenrechte an konkrete Bürgerrechte koppeln möchte, stellen sie für Ignatieff nur einen Minimalkonsens dar, erklärt Hoffmann. Sie sollten nicht zu einem "säkularen Humanismus" aufgebläht oder mit Ansprüchen auf soziale Leistungen verknüpft werden. Dagegen setze Ignatieff auf minimalistisch konzipierte und auf negative Freiheiten beschränkte Menschenrechte, zu denen soziale und politische Rechte nicht notwendig gehören. "In dieser Begrenzung liegt ihre Stärke", pflichtet Hoffmann dem Autor bei, "als gemeinsames Vokabular in einer pluralistischen Welt, und nicht als universales Credo einer globalen Gesellschaft."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.07.2002

Rezensent Rudolf Walther erblickt in Michael Ignatieffs Essay "Die Politik der Menschenrechte" einen "grundlegenden Beitrag für zeitgemäße politische Bildung". Ignatieff zufolge werden Menschenrechte zu Fetischen, wenn sie mit ungeklärten und unklärbaren anthroplogischen Hintergrundannahmen zu "Werten" stilisiert werden, die politisch, religiös und sozial spalten und damit das Gegenteil ihrer Intention bewirken, fasst Walther die Hauptthese des Buches zusammen. Wie Walther weiter ausführt, sind Menschenrechte für Ignatieff in erster Linie Rechte, die nicht auf einem philosophischen oder religiösen Weltbild basieren, sondern auf den historischen Erfahrungen insbesondere der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die verdeutlichen, dass Menschen minimale, unverzichtbare Rechte brauchen. Walther hebt hervor, dass Menschenrechte dank dieser "schlanken historisch-pragmatischen Begründung", die Ignatieff gibt, in den unterschiedlichsten politischen und kulturellen Kontexten akzeptabel werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2002

Uwe Justus Wenzel zeigt sich recht angetan von Michael Ignatieffs "perspektivenreichen" Essay. Im Zentrum der Arbeit steht für den Rezensenten Ignatieffs Warnung, Menschenrechte zu einer neuen Zivilreligion zu machen: die quasireligiöse Verabsolutierung des Humanismus mache die Menschenrechte zu einem Fetisch und bringe sie so um eine mögliche Wirkung. Nach Wenzel begreift Ignatieff Menschenrechte dagegen "individualistisch", "minimalistisch und negativ", als "kleinsten politischen Nenner, der den Kulturen der Welt gemeinsam sein könnte". Kritisch stellt sich dem Rezensent da z.B. die Frage, ob dieser individualistische Zuschnitt nicht dem universalistischen Anspruch, den die Menschenrechte erheben, widerspreche. Dass Ignatieff solchen und anderen kritischen Fragen nicht ausweicht, findet Wenzels Anerkennung, auch wenn er Ignatieffs Ausführungen nicht immer folgen mag.
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